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Maria (Freyinn v. Zay). 5U5
höchste Wünsche zu krönen, der Jubel darüber war im ganzen Reiche
allgemein und Tausende von schreibefertigen Federn prophezeyten die
glücklichste Zukunft. Bald jedoch brach der verhängnißvolle Krieg mit
Rußland aus, M. L. begleitete ihren Grmahl nach Dresden, die
lange Abwesenheit desselben, der unterdrückte Verschwörungsversuch des
Generals Ma l t e t , und endlich die düstern Nachrichten vom Kriegs-
schauplatze, besonders das 29. Bulletin erfüllten sie mit tiefem Kummer,'
der jedoch durch Napoleon's Selbsterscheinen wieder in etwas gemil-
dert wurde. Er legte bey seiner zweyten Abreise zur Armee die Zügel der
Regierung in die Hände der Kaiserinn, die sie mit vieler Umsicht und
gewissenhafter Treue führte. Ihre Reden in den Rathsversammlungen
nach der Schlacht bey Leipzig waren Bürge ihrer edlen Gesinnungen.
Als sich endlich die Alliirten der.Hauptstadt näherten, begab sich M. L.
mit ihrem Sohne nach B lo is, von wo sie einen Aufruf an das fran-
zösische Volk erließ, doch weigerte sie sich, nach der Aufforderung der
Brüder Napoleon's, ihnen jenseits der Loire zu folgen. Ihr Beneh-
men nach der Abdication ihres Gemahls war hoher Achtung werth. Sie
begab sich den 12. April nach R a m b o u i l l e t , wo sie den 16. April
mit ihrem kaiserlichen Vater eine Unterredung harte, die ihr Schicksal
und ihren Entschluß bestimmte. Bald darauf reiste M. L. mit ihrem
Sohne durch die Schweiz in ihre Heimath zurück, wo sie vorerst längere
Zeit in Schönbrunn wohnte. Der Vertrag von Fonta inebleau
(11. April 1814) sicherte ihr die Herzogthümer Parma, Piacenza und
Guastalla mit dem Prädicate Majestät zu, wovon sie den 17. März
1816 Besitz nahm. Im May desselben Jahres erklärte sie sich zurGroß-
meisterinn des von ihr gestifteten Constantinischen St. Oeorg-Ordens.
Nach dem Tode M. L.'s fallen jedoch, laut dem PariserVertragevon 1817,
die Herzogthümer an ben Herzog von Lucca. Sie verwaltet fortan die-
selben mir großer Umsicht und Energie. 1831, nach dem Ausbruche der
Revolution in Hber-Italien, welche auch ihre Hevzogthümer in ihrem
Wirbel mitriß, reiste M. L., nachdem sie alle Lockungen und Anerbie-
thungen der Empörer verschmäht hatte, nach den kaiserl. Staaten ab;
als jedoch die österr. Waffen die Ruhe wieder hergestellt hatten, kehrte sie
zurück, und bewies die weiseste Mäßigung. Den 22. Iuly 1332 traf M.
L. der empfindliche Schlag des Todes ihres hoffnungsvollen Sohnes,
und sie konnte ihren Trost nur vielleicht in dem Umstände sinden, daß
ganz Europa den Schmerz über diisen Verlust mit ihr theilte.
Mar ia. Unter diesem Nahmen ist M a r i a Freyinn von Zay
als Schriftstellerinn rühmlich bekannt. Sie istgeboren den 23.Febr. 1779 zu
Toth-Prona in Ungarn. Sie erhielt eine vortrefflicheErziebung und
ihre Talente entwickelten sich sehr frühzeitig. Schon in ihrem 6. Jahre
redete M. außer ihrer Muttersprache, der ungarischen, noch Deutsch,
Slavisch und Französisch mit ziemlicher Fertigkeit. Von Natur sehr leb-
haft und reizbar, wurde es indessen ziemlich schwer, ihre Aufmerksam-
keit zu fesseln und erst in reiferen Jahren gewanll sie Geschmack an ernste-
ren Beschäftigungen. Lecture liebte sie von jeher mit Leidenschaft.
Ihre erste schriftstellerische Leistung, ein kleines Drama: „Die dankbare
Tochter," schrieb sie noch in sehr zartem Alter. 1796 vermählte sich M.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie