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580 Marschall, iL. D. Graf. — Martin.
Tabak, der hier in großer Menge gewonnen und auf alle Markte des
Landes verführt wird. Zur Zeit der Tabakernte sind die Wände aller Häu-
fer mit Guirlanden von Tabakblättern behängen/ um sie in freyer Luft
zu trocknen. Die umliegenden Gegenden biethen sehr schöne Spazier-
gänge dar, unweit der Stadt ist ein festes Schloß, welches militärisch
besetzt ist.
Marsckall von Viberstein, Ernst Dietrich Graf, k. k.
geh. Rath, Feldzeugmeister, des Maria-Theresien-Ordens Großkreuz,
Commandirender in Luxemburg, war geboren 1692. Während der
Belagerung von Olmütz durch die Preußen vertheidigte M., der als ein
Mann von Entschlossenheit, Einsicht und Erfahrung rühmlich bekannt
Par, die Festung. Als solcher zeigte er sich überhaupt in allen seinen An-
sialten. Die Werke waren ausgebessert, die Vorstädte abgeräumt, Le«
bensmittel beygeschafft, und die unnützen Verzehrer entfernt worden;
das Feuer und die Ausfälle der Belagerten fügten dem Feinde mehr
, Schaden zu, als er ihnen erwidern konnte. Darum brauchte der Feld-
marschall Da un, im Vertrauen auf die Standhaftigkeit des Comman-
danten, den Entsatz durch kein Treffen zu versuchen, welches, wenn es
verloren ging, sehr bedenklich werden konnte; dagegen der Konig, so-
bald er ihm nur seine Zufuhren abnahm, dem Feuer der Belagerten
nicht mehr gewachsen war. — Eine Festung, vor welcher der Feind —
und zumahl ein Feind wie Friedrich — abziehen muß, bringt allein
schon großen Nachruhm. Aber M. harte auch von früher Jugend an un-
ter den österr. Heeren in Ungarn, in Italien, am Rheins und in den
Niederlanden 20 Feldschlachten beygewohnt, in diesen und so vielen an-
dern kleineren Gefechten manche Wunde erhalten, und in Vertheidigung
und beym Angriffe der Platze manche Gefahr bestanden. —Als Folge
des Großkreuzcs des Maria Theresien - Ordens , welches sich M. in
Olt.nütz verdient hatte, ward ihm statutenmäßig auch derOrafenstand.
Nach hergestelltem Frieden trat er das Gouvernement von Luxem-
burg an, welches ihm vor dem Ausbruche des Krieges (1755) schon
verliehen war, und wo er im hohen Alter, nach 60 Dienstjahren, 1771
sein Leben beschloß.
Mar t in , S t . , ungar. Flecken und Hauptort des Thuroczer Co-
mitates, einst eine königl. Freystadt, hat 1,150 Bewohner, ein schö-
nes Comitathaus und eine große Kirche.
Mar t in , Vincenz, einer der beliebtesten Operncomvonisten in
der altern italienischen Manier, war geboren um 1760 zu Valencia
in Spanien. Wahrscheinlich studirte M. die Musik in Italien. Schon
1732 hatte er mehrere Opern ::nd Ballete geschrieben, welche Beyfall
fanden. 1785 ging M. nach Wien, wo er sich durch einige Jahre aufhielt,
seine beliebtesten Opern schrieb und das Dilettantenconcert für den Win-
ter auf der Mehlgrube, für den Sommer un Al.'garten errichtete. 17?tt
ging M. nach Petersburg, wo er als Capellmeister und Componist
im Operntheater angestellt, und 17W zum kaiserl. russ. Hofratd er-
nannt wurde. Er starb daselbst 181 l). In neuerer Zeit hatte man nichts
mehr von seiner Wirksamkeit erfahren. Unter seinen Wcrkcn ist zuvor
derst die einst so beliebte Opo»- l.Ma, s>^'' „^.i s^5.^ ?.-,,,^ zu nennen,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie