Page - 587 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe I-M, Volume 3
Image of the Page - 587 -
Text of the Page - 587 -
Maryampol. — M^rzy. 587
beträchtlich erweitern und gab ihm eins neue zweckmäßigere Einrichtung.
Eine Abtheilung ward für die Schwangern, eine für die Wahnsinnigen, eine
für andere abzusondernde und endlich eine für innere und äußere Kranke
aller Art bestimmt. Als Kaiser Joseph I I . 1784 das allgemeine Kran-
kenhaus in der Alsergasse errichten ließ, wurden alle Kranken von St. M.
dahin übersiedelt, und dieses Institut in ein Versorgungshaus umgewan«^
delt, worin die Pfründner aus dem Bürgerspirale in der Stadt n.eue Auf-
nahme fanden, welches letztere großtentheils neu gebaut und in ein
Zinsgebäude verwandelt ward. Seit dieser Zeit hat St. M. die Bestim-
mungen, verarmte, kränkliche und erwerbsunfähige Bürger und Bür-
gerinnen, Bürgerssohne und Bürgerstö'chter, welche anf keine Unter-
stützung durch Verwandte oder Freunde rechnen können, zu verpflegen
und ihnen die letzten Tage ihres Lebens zu erleichtern. Im Hause selbst
besinden sich gegenwärtig ungefähr 400 Personen in 40 Zimmern. Außer
demselben genießen solche Individuen Verpflegung, welche, nach vorher-
gegangener Untersuchung von Seite der Pfarrer und Armenvater, zwar
sehr arm und gebrechlich befunden werden, aber sich dennoch etwas erwer-
ben können, oder theilweise von Freunden und Verwandten Unterstützung
genießen. Ihre Anzahl beläuft sich auf ungefähr 700. Wer von den im
Hause aufgenommenen überdieß Kräfte und Geschick zur Arbeit hat,
kann sich sein Los durch Ausübung einer Profession noch merklich ver-
bessern. Hierzu sind 2 Säle bestimmt, einer derselben für geräuschlose
Arbeiten, z.B.für Schuster, Schneider:c., der andere aber für lärmende,
z. B. Tischler, Schloffer, Drechsler:c. Die Weiber verrichten ihre Ar-
beiten, z. B. Nahen, Sticken, Stricken 2c. auf ihren Zimmern. Im
Hause herrscht gute Sitte, Ordnung und Reinlichkeit. Seit 1813 befin-
det sich auch eine treffliche Badeanstalt daselbst. Das Versorgungshaus
zu St. W. besitzt zur Bestreitung seiner Ausgaben bedeutende Einkünfte,
so z. B. die ansehnlichen Zinserträgnisse des großen Gebäudes, das
Bürgerspital genannt und des Spitalhauses zur Mehlgrube in der Stadt,
den Pachtzins des Wirthshauses zum goldenen Adler und des Bräuhauses
in der Leopoldstadt, ferner die Pachtzinse des Bräuhauses, des Wirths-
hauses und der Bäckerey in St. M. Außerdem besitzt es noch viele Wal-
dungen, Wiesen, Felder, Weingärten, ZehelUen, Biertar-Gefalle u.dgl.
Die Geschäfte des Bürgerspitals und Versorgungshauses führt eine eigens
hiezu ernannte Wirthschaftscommission mit dem nöthigen Kanzleypersonale,
welche jeden Dienstag Vormittags in der Kanzsey des Bürgerspitals in der
Stadt ihre Sitzungen hält. Präses demselben ist ein Magistratsrath. Im
Institute selbst sind angestellt: Ein Verwalter,, ein Controllor, 2Benefi-
ciaten, ein Physicus und 2 Wundärzte. (Vergl. Bürgerspital.)
Maryampol , kleine galiz. Stadt im Stanislawower Kreise, am
linken Ufer des Dniester, hat ein großes Schloß und ein Kloster der
barmherzigen Schwestern, mit welchem ein Spital und eine Mädchen-
schule verbunden ist.
Marzy, Io l ) . Heinr., ein fleißiger Sammler mähr. Geschichtsdo-
cumente, in Ig lau 1723 geboren. Nachdem er im Kanzleyfache bey dem
dortigen Magistrate gedient, hrat er zum Lehramte bey der Normalschule
seiner Vaterstadt über. Es sind von ihm nicht nur einige historische
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie