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Mathiao Corvinus, Röntg von Ungarn.
zurück, wo ihn Kaiser Nudolph ziemlich kalt empfing, und ihm tzinz
zum Aufenthalt anwies. Endlich erhielt M. die Verwaltung von Oster,
reich, und das Commando in Ungarn gegen die Türken. Da sich Kaiser
Rudolph bey den damahligen bewegten Zeiten zu unthätig zeigte,
erklärten die Erzherzoge des österreichischen Hauses 1606 M. zum Ober«
Haupte des Hauses, er zog „darauf mit einem Heere nach Böhmen, und
nöthigte den Kaiser, ihm Österreich, Mähren, und Ungarn abzutreten,
ja ihm selbst den Titel eines designirten Königs von Böhmen zuzugestehen.
1611 erschien M., aufgerufen von den böhmischen Ständen, aufs Neue
mit einem starken Heere in Böhmen, ließ sich auch dieses Reich, die Lau«
sitzen und Schlesien abtreten, und wurde 1612 nach Rudolph's Tode,
dem nichts mehr als der Kaisertitel und eine Pension von 300,000 Du«
caten geblieben war, auch zum römisch-deutschen Kaiser erwählt. Nach
seiner Thronbesteigung beugte M. der Erneuerung eines Türkenkrieges
durch Abschließung eines Waffenstillstandes vor. 1617 bewirkte M., da
er selbst in der Ehe mit Anna, Tochter des Erzherzogs Ferdinand
von Tyrol, kinderlos war, daß seine ebenfalls kinderlosen Brüder Maxi-
m i l i an und Albrecht ihren Ansprüchen auf das österreichische Erbe zu
Gunsten des von ihm adoptirten Erzherzogs Ferdinand aus der steyer-
märkischen Linie entsagten, und ließ diesen 1617 zum König von Böhmen
und 1618 zum König von Ungarn krönen. Dasselbe Jahr wurden den
Utraquisten zwey ihrer neu erbauten Kirchen mit Zustimmung des Kaisers
weggenommen, worüber der Aufstand in Prag ausbrach> der bald ganz
Böhmen ergriff, und den verderblichen 30jährigen Religionskrieg zur
Folge hatte. In dem bewegtesten Zeitpuncte, als von den Truppen der
böhm. Union schon die österr. Gränze bedroht war, starb M. den 20.
März 1619. Durch feine und derKaiserinn Anna testamentarische Ver-
fügung wurde die Capuzinerkirche in Wien> sammt der kaiserlichen
Gruft gegründet.
Mathias Corvinus Hunyades, der Große, König von
Ungarn, Herzog von Schlesien, war geboren 1448, zweyter Sohn
Johann Hunyad's, des tapfern Feldherrn und Statthalters des
Königreiches Ungarn wahrend der Minderjährigkeit Ladislaus Post,
Humus. Seine Erziehung war, dem Geiste seiner Zeit gemäß, rauh
und rirtermaßig, doch zeigten sich schon in frühester Jugend seine seltenen
und ausgezeichneten Talente. 1456 nahm M. mit seinem Bruder Ladis«
laus Theil an der Ermordung des Grafen Ulrich v.Cil ly, ihres Hauses
bitterem Feinde, und lud dadurch, obschon der anfangs eingeschüchterte
König Ladislaus Verzeihung dieser That gelobt hatte, bald dessen
volle Rache auf sich. Die beyden Brüder wurden verhaftet, der ältere/
Ladislaus, als der Haupttheilnehmer hingerichtet, und M. mit Ketten
beladen, auf einen Wagen geschmiedet, anfangs in dem Schlosse Gut
tenstein gefangen gesetzt, und dann 1457 nach Prag gefüorr und dem
Statthalter Georg Podiebrad zu strenger Verwahrung übergeben.
Nach dem frühzeitigen Tode desKönigs Ladislaus evwählren die Ungarn,
widerVermuthen der österreichischen Fürsten, M. C. zumKönige; Georg
Podiebrad, welcher durch der Utraquisten Übelgewicht zum König
vo,l Böhmen gewählt worden war, gab ihn, auf Ansuchen einer ungar.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie