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592 Mathias CorvinuS/ Rönig von Ungarn.
sammlung von solchem Umfange an, wie damahls keine in Europa,
unterstützte Künste und Wissenschaften auf das freygebigste, und zog
eine Menge Gelehrte und Künstler, Buchdrucker und Gewerbsleute in
sein Reich. Bey den für den Kaiser so drückenden Bedingungen des Kor,
neuburger Friedens war übrigens dessen kurze Dauer vorauszusehen.
Die Zwietracht glomm unter der Asche fort, und es bedürfte nur eines
belebenden Hauches, so loderte sie wieder in belle Flammen auf, die
Gelegenheit dazu zeigte sich nur zu bald. Die Geldnoth, in welcher sich
der Kaiser befand, die ungeheure allgemeine Erschöpfung, welche die gro-
ßen Zahlungen an M. unmöglich machten, gaben Letzterem bald über«
flüssigen Vorwand, aufs Neue die Fackel des Krieges über Osterreich zu
schwingen, weitere Veranlassung dazu botb ihm Friedrich's willkührliches
Verfahren in der Besetzung der Hochstifte Passau und Salzburg.
M. fiel 1482 neuerdings in Osterreich ein, eroberte alle festen Plätze,
und schnitt alle Zufuhr nach Wien zu Wasser- und zu Land ab, so daß
endlich große Theurung und Hungersnoth entstand, doch unternahm er
noch nichts Entscheidendes gegen die Hauptstadt, deren Mittel und Muth
er in der letzten Belagerung hinlänglich kennen gelernt hatte. Anfangs
1435 aber zog M. mit einem großen Heere vor Wien , bratete sein
Lager vor dem Schottenthor gegen den Döblingbach aus, während sein
Kronfeldherr, Stephan Zapolya, den Wienerberg besetzte, und der
Woywode L aurenz sich mit einem dritten Heere längs der Donau aus-
breitete, und den Tabor erstürmte. Die enge Einschließung begann den 25.
Jänner 1485. Die Noth war furchtbar in der Stadt, bald sah man in
den Fleischbänken nur mehr Pferdefleisch. Hu.lde, Katzen und Mäuse
waren die tägliche Nahrung der Dürftigen. Bald schritt auch M., des
langen Widerstandes überdrüßig, zu offener Gewalt, rückte mit Sturm-
zeug wider die Landstraße, erstieg den Wall, brach den Verhau, erstürmte
das fesie Kloster der Nicolaerinnen und drang bis zur steinernen Brücke
am Stubenthor. Zugleich ließ M. die Vorstädte und unzahliae Landhäuser
in Flammen aufgehen. Alles schrie nun in der Stadt nach Unterhandlung
und Übergabe, und den 21. May kam ein Vertrag zu Stande: Wenn
mit Ende des Monats kein Entsatz käme, sollte M. die Stadt am 1. Iuny,
gegen Erhaltung ihrer Rechte, Freyheiten und alten Gewohnheiten,
wurden, so hielt M. den 1. Iuny 1485 seinen fenerlichen Einzug in
Wien, von den Großen Ungarns, Mährens und Schlesiens umacben,
an der Spitze von 8,000 Mann Neiterey, seiner Kerntruppen. Sonntags
darauf, den 5. Iuny, hielt .auch die Königinn Beatr ix ihren Einzug.
M. bewohnte jedoch nicht die kaiserl. Burg, sondern baute sich einen
eigenen Palast m der Kärnthnerstrasie, der Weihburggasse qeqenübcr.
Nun wurde auch die Stadt wieder mit Lebensmitteln veVsehen/ und nach
und nach alle festen Platze in Nicderosterreich, und endlich 1487 ncch
langer Belagerung auch Wiener-Neustadt erobert, wo M ebenfalls
einen prachtvollen Einzug hielt. In den zu dieser Zeit erschienenen Urkun-
den nennt sich M. Konlg zu Ungarn und Böhmen. Herzog zu Osterreich
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie