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610 MaximilianS'Thürme. — May.
Feinde die Gunst des KriegsgotteS zu erstehen. Ein Herold verkündigte,
daß am folgenden Tage bey dem ersten Schalle der Posaune alle Ein-
wohner, ohne Unterschied des Standes, im Tempel des Mars zum Opfer
erscheinen sollten. Die Posaune ertönte, und da unter den Helden, aus
Furcht der Marter, auch viele Christen erschienen und den Herrn verläug-
neten, drang der Bischof mitten durch das Vo^k zum Prator. Dieser,
von Zorn entflammt, machte dem langen Wortwechsel, worin M. ihm
sein Verfahren, Eutasius aber jenem seine Verwegenheit verwies,
dadurch ein Ende, daß er den Soldaten befahl, M. zum Tempel des
Mars zu führen. Und zum Opfer anzuhalten. Da er sich aber weigerte,
wurde er vor der Stadt, wo man noch die Stelle seiner Hinrichtung
zeigt, den 12. Oct. 280 enthauptet. Sein Leib wurde von den Christen
nahe bey Cil l y begraben.
Maximi l ians - Thürme, s. Befestigung des Donauthales
in Oesterreich ob der iLnns.
May , Jos., Director des Taubstummen-Institutes in Wien,
war geboren 1754 zu G r a b e r n im Leitmeritzer Kreise Böhmens.
Nach vollendeten Studien faßte er den Entschluß in P a r i s sein
Glück zu suchen. Mit wenigem Gelde versehen, doch um so mehr von
großen Hoffnungen beseelt, trat er die Wanderschaft dahin an und
suchte, kaum daselbst angelangt, sogleich einige Landsleute, bekannte
Glashandler auf, bey denen er die herzlichste Aufnahme, Unterstützung
und freundlichen Rath erhielt^ welcher auf die genaue Kenntniß örtli-
cher Verhältnisse gegründet war. Durch ihre Empfehlung wurde M.
dem Vorsteher der königl. Militärschule zu Pa r i s , Junker , einem
Elsaßer vorgestellt, der ihn als Lehrer der deutschen Sprache anstellte,
welche Stelle M.mehrereIahrezugroßerZufriedenheitfeinerVorgesetzten
bekleidete. Bald erwachte jedoch das sehnsüchtige Gefühl nach seinem
Vaterlande, und er benutzte die Anwesenheit des Kaisers Joseph im
Jahre 1777 zu P a r i s , welchen er in einer Audienz um eine Anstel-
lung als Lehrer im Vaterlande bath. Der Kaiser fragte ihn sogleich, ob
er einigen Lehrstunden des Abbe de l'Epe e beygewohnt-, ob er sich ge-
traue und binnen welcher Zeit, dessen Lehrmethode zu erlernen, M. be<
antwortete diese Frage befriedigend, und der Vertrag war schnell ge-
schlossen, er reichte sogleich sein Gesuch um Entlassung aus frnnzö's. Diensten
ein, und wurde in kaiserliche aufgenommen. Nach einem acktmonathlichen
Aufenthalte zum Behuf der Erlernung der Methode, begab sich M. mil dem
zu gleichem Zwecke nach Par is gesendeten Priester Fr. Stark nach
Wien zurück, und lebte von nun an bloß der Bildung der Taubstum-
men. An dem 1779 in Wien errichteten und Stark 's Leitung anver-
trautem Institute diente M. vorerst als Lehrer, nach dessen Austritte
1793 aber wurde er Director, und erprobte im Laufe seiner 40jährigen
Dienstleistung, daß er diesem ehrenvollen Berufe vollkommen zu ent-
svrechen im Stande sey. M. war mit ganzer Seele Lehrer und Freund
der Jugend, er hatte mehrere Taubstumme aus angesehenen Familien
des Auslandes als Kostganger aufgenommen, aber den Gewinn, der
ihm daraus erwuchs, nur dazu verwendet, um Eingebornen dieselben
Vortheile genießen zu lassen. Durch sein langjähriges rühmliches Wir-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie