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Metternich, llem. Wenzel Lothar, Fürst v. «57
Par-sur-Aube, wo der Kaiser von Überreich sein Feldhoflager auf.
geschlagen hatte, sich getrennt fanden, folgte ihm M. mit den Mini-
stern von Großbritannien und Preußen, welche in dem kaiserl. Haupt-
quartier vereint waren, nach D i j on . Von dort aus leitete er dieVer-
handlungen mit Mons ieur , Bruder Ludwig's XV I I I . , welcher
inNancy eingetroffen war. Nach erhaltener Nachricht der Capitulation
von Par is verfügte sich M. alsbald in Begleitung obgedachter Mini-
ster nach dieser Hauptstadt, wo er seinen Nahmen der bereits mit Na-
poleon geschlossenen Übereinkunft von Fontainebleau beysetzte.—
Er unterhandelte im Nahmen Österreichs den Pariser Frieden vom 30.
May 1314 , und wurde nach dessen Abschluß von dem Kaiser nach
London gesendet, wohin sich gleichzeitig der Kaiser von Rußland und
der König von Preußen begeben hatten. Bey einem Besuche, welchen
die beyden Monarchen zu Oxford machten, verlieh ihnen der Univer-
sitätskörper mit einer feyerlichen, akademischen Ceremonie, die Doctor-
würde, und dieselbe Ehre ward auch M. zu Theil. Von London begab
sich M. gerade nach W i e n , um die für den Congreß nöthigen Einlei-
tungen zu treffen. — Bey dessen am 8. Oct. 1814 erfolgten Eröffnung
übertrug der einstimmige Wunsch der versammelten Minister M. den
Vorsitz bey den Conferenzen. Am 5. März 1815 traf die Nachricht von
der Entfernung Napoleon's von der Insel Elba zu Wien ein. —
Die gesammten Heere der verbündeten Monarchen erhielten den Be-
fehl, den Rückmarsch gegen die französische Gränze anzutreten. Am
13. März erließ der Congreß ein Manifest gegen Napoleon. —
M., in Gemeinschaft mit dem Fürsten von Tal leyrand und dem
Feldmarschall Herzog von W e l l i n g t o n , erhielt den Auftrag der ver-
sammelten Mächte, sich zu dem in Preßburg befindlichen König von
Sachsen zu verfügen, und mit demselben die definitive Ausgleichung der
Territorial-Verhältnisse des sachsischen Staates zu treffen. — Von den 2
einzigen Großkreuzen des Civil-Ehrenkreuz-Verdienstzeichens verlieh der
Kaiser das eine M. und das andere dem Feldmarschall Fürsten von
Schwarzen berg. — Nachdem der damahlige König von Neapel, früc
her mit Osterreich gegen Napoleon verbündet, durchsein Benehmen
nach des Letzteren Entfernung von der Insel Elba, Osterreich zum Kriege
herausgefordert hatte, und durch die Tapferkeit des österr. Heeres nach
einem Feldzuge von wenigen Tagen besiegt und aus Italien vertrieben
worden war, wollte der König Ferd inand nacb Wiederbesteigung des
neapolitanischen Thrones den Antheil, den Fürst M. an diesem Ereignisse
genommen hatte, mittelst eines historischen Denkmahls anerkennen. Er
verlieh demselben die herzogliche Würde im Königreiche beyder Sicilien
unter der Benennung eines Herzogs von Por te l la , als desjenigen
Gränzpunctes des neapolitanischen Gebiethes, den das kaiserl. Heer auf
seinem Siegeszuge gegen Neapel zuerst betreten hatte. — Nachdem
die Wiener Congresi- und die deutsche Bundes-Acte, welche durch die
Abgeordneten der deutschen Fürsten und freyen Städte, gleichfalls unter
dem persönlichen Vorsitz M.'s verhandelt wurde, am 9. Iuny unterfer-
tigt'waren, verfügte sich derselbe zu dem Kaiser nach Heidelberg,
und begleitete ihn auch beym zweyten Einzüge der Alliirten in
O esterr. Nat. Cncytl. Vd. III. 42
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie