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664 Mies. —Migazzi, Christ. Ant. Grafv., Fürst-Krzbisch.
Grafenstand erhoben. Die meisten Besitzungen der Grafen v. M. sind in
Galizien.
Mies, böhm. königl. Silberbergstadt im jPilsener Kreise, Sitz eineS
Districtualberggerichts, mit 330 Häusern und 3,050 Einwohnern, die
sich mit Feldbau, der Bierbrauerey, und mit Bergwerk beschäftigen. Ehe-
mahls ward hier der Bergbau auf Silber, gegenwärtig wird er jedoch
nur auf Bley von Privatgewerkschaften, unter der Leitung eines königl.
Bergamtes betrieben. Unter die vorzüglicheren Gebäude gehören das
Rathhaus, die Dechantey, die Decanalkirche Allerheiligen, dann die stei-
'nerne Brücke über die Mies. Hier ist auch ein k. k. Postamt, eine Pa-
piermühle und ein Waffenhammer. Das hier erzeugte Weißbier ist weit
und breit berühmt.
Migazzi, die Grafen. Ein altes ehemahls in der schweizer.
Landschaft Valtelin, später im Bisthum Trient ansäßiges, und der
Tyroler Landes-Matrikel einverleibtes Geschlecht. H um b ert M. (1251)
beginnt die ununterbrochene Stammreihe. — Just in ian und sein
Bruder Ioh . Caspar wurden von Kaiser Ferdinand I I . den 21.
März 1606 in den Reichsritterstand erhoben; dasselbe war früher, 14,
Iuny 1578, dem I u l i a n v. M. vom Kaiser Rudoyph I I . geschehen.
Vincenz Freyh. v. M. wurde von Kaiser Leopold I.am5. Iuly 1693
mit dem Titel: „Zu Wall und Sonnenthurm" in den erbländischen Gr<»
fenstand erhoben. Sein Sohn Graf Ant. Casp. Michael erlangte 4.
März 1769 das Indigenat im Königreiche Ungarn, und am 12. Februar
1761 das Herrenstands-Incolat von Böhmen. Jetziger Standesherr ist
Graf Rudolph Christoph v. M. zuWa l l und Sonnenthurm,
geboren den 7. May 1737.
Migazzi, zu wall und Sonnenthurm, Christoph Ant.
Grafv. , Cardinal und Fürst-ErzbischofvonW i e n, wurdegeboren den 23.
Oct. 1714. Seine priesterliche Bildung erhielt M. in Rom, wurde
darauf Domherr zu Br i ren und Tr ient , und bereits 1745 bey der
Kaiserkrönung Fra nz I. zu Fran kfurt zum Auditor Rolae ernannt,
und mit wichtigen diplomatischen Geschäften bey verschiedenen Gelegen-
heiten beauftragt. 1751 wurde M. zumCoadjutor des Erzbisthums Me-
cheln und zum Erzbischof von Carthago in partibus inlidelium er-
nannt, bald darauf wurde er Bothschafter in Spanien, wo es ihm gelang,
die Ruhe Italiens durch den tractat von Aranjuez zu sichern. 1756
erhielt er das Bisthum W a iz en, den 19. März 1757 die Ernennung
und den 18. Sept. die Einsetzung als Erzbischof von W ien , den 23.
Nov. 1761 durch Papst Clemens X I I I . (Rezzon ico) die Cardinals-
würde, und 1764 das Großkreuz des neu errichteten kön ungar. St. Ste-
phan - Ordens. 1774 begab sich M. nach dem Tode Clemens XIV. nach
Rom ins Conclave, und trug viel zur Wahl Pius VI . (Angelo
B r a s ch i) bey. Das Domcapitel ward unter ihm vermehrt, fester
begründet, und mit einem Capitelzeichen geschmückt, viele neue Pfar-
ren errichtet, das Seminar auf einen bessern Fuß gesetzt, in Neu-
dorf, Penz ing, Vösendorf, Atzgersdorf:c. ausgezeichneteKir-
chenbauten geführt. Zu Ostern 1782 hatte M. das seltene Vergnügen,
Pius VI . das höchste Oberhaupt der Kirche, in seinem Dome zu empfan-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie