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«66 Mikan, Ioh. Christian.
in Prag. 1785 wurde M. zum Professor der Chemie und Botanik a»s
der Universität zuPrag ernannt. Unter feiner Leitung ward auf Befehl
Kaiser Joseph's I I . das chemische Laboratorium errichtet. Seiner Sorge
insbesondere verdankt man die bessere Ausbildung der Pharmaceuten,
Chirurgen und Hebammen. Durch ihn wurde die Lehrkanzel der Alter-
thumskunde und des theoretischen und'practischen Studiums der Chirur-
gie errichtet. Binnen 40 Jahren sammelte er eine ausgezeichnete Biblio-
thek von botanischen Werken. Welche Verdienste er sich um die Studien
erwarb/ bezeugen die Ehrenämter, die ihm von der Universität zu Prag
übertragen wurden. Zuerst wurde er 1779 zum Vicedirector, dann Re-
präsentanten der medicinischen Facultat 1797 und wiederholt zum De-
can derselben, auch zu deren Senior, und 1799 zum Rector und Vi-
cekanzler der Universität zu Prag, so wie zum Mitgliede der ökono-
mischen Gesellschaft Böhmens ernannt. Er starb den 7. Aug. 1814 zu
Prag. Er schrieb unter Andern: Catalogus plantarum omnium juxta
svstema vegetabilium Caroli a Linne, in usum norti l>otanici,
Prag 1776. — Dispensatorium pauperum, eb. 1783. — Po«
sitiones inaugurales, eb. 1784. — Über das Saidfchitzer Bitterwas-
ser, eb. 1784. — Arzney-Verzeichniß für Arme, eb. 1786.
Mikan, Joh. Christian, (Sohn des Vorigen) ist den 5.Dec.
l769 zu Te plitz in Böhmen geboren, wo sein Vater damahls Ba-
dearzt war. Noch nicht 2 Jahre alt, kam er mit feinem Vater nach
P r a g , wo er erzogen, wurde. Im 10. Lebensjahre betrat er die
Gymnasialschulen, und nachdem er auch die Philosophie öffentlich stu-
dirt hatte, wendete er sich zu dem Studium der Medicin und wurde
1793 an derselben Universität zum Doctor der Medicin promovirt. Mehr
geneigt, sich dem Studium eines theoretischen Zweiges der Medicin zu
widmen, gab er bald die practische Ausübung der Heilkunde auf> und wählte
Naturgeschichte überhaupt, insbesondere aber Entomologie und Botanik
zu Lieblingsfächern. 1796 gab er die Monograpnia LombvliorumLo-
kemiae (Prag) m. K. heraus, in welcher er mehrere neueArten der Schweb-
fliegen aufstellte und mit selbst gezeichneten Abbildungen erläuterte. In
demselben Jahre wurde ihm von der Landesstelle die außerordentliche
Lehrkanzel der Botanik für die Hörer der Philosophie verliehen. Er
durchwanderte die Gebirge Böhmens an dessen verschiedenen Gränzen,
entdeckte neue Insecten und Pflanzen, welche letztere von Willdenow
in seinen 3pec. plant, aufgenommen wurden. 1793 wurde er, nach dem
Beyspiele der Wiener Universität, seinem Vater in beyden Lehrfächern
adjungirt und zwar mit Hoffnung der Nachrückung. 1800 wurde ihm
die Lehrkanzel der allgemeinen Naturgeschichte ander Prager Universität
verliehen, und, als sein Vater wegen Alter und Kränklichkeit in Ruhe
gesetzt und die Lehrkanzeln der Chemie und Botanik, nach einem neuern
Studienplane, getrennt wurden, erhielt er 1312 die Lehrkanzel der Bo-
tanik für Mediciner und Pharmaceuten, durch einen ausgezeichneten
Concurs, den er, trotz seiner Hoffnung der Nachrückung, Ehrenhalber
mitmachte. — Seinen von Jugend auf gehegten Trieb zu weiten Rei-
sen konnte er erst 1317 befriedigen, als die Erzherzoginn Leopoldine
dem Kronprinzen von Brasilien, Dom Pedro, vermahlt wurde.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie