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Mikan, Ioh. Christian.
und man bey dieser Gelegenheit auch ihn als Naturforscher auf kaiserliche
Kosten dahin sandte. Dort sammelte er mit vielem Eifer mancherley zoo.
logische Gegenstände, unter diesen vorzüglich Amphibien und Inletten,
hauptsächlich aber Pflanzen, von welchen er ein ansehnliches Herbarium
nach Wien brachte, als er in Rio de Janeiro von dety damahligen
außerordentl. österr.-kaiserl. Bothschafter, Emannel Ios, Grafen v.
Eltz die Weisung erhielt, den ersten Transport der dort von ihm und
Andern gesammelten Naturalien nach Wien zu überbringen. Trotzdem,
daß seine Wißbegierde und der Trieb nach neuen Entdeckungen erst zum
geringsten Theile befriedigt waren und er in diesem an Naturschätzen so
reichen Lande gern langer verweilt hätte, mußte er doch diesen Auftrag
erfüllen, und dieser erste 1318 glücklich nach Wien gebrachte Transport
legte den Grund zu dem dort aufgestellten brasilischen Museum, wel«
ches eben sowohl seiner Reichhaltigkeit als seiner vortrefflichen Aufbewah-
rung und Anordnung wegen die Bewunderung Einheimischer und Frem-
der erregt. Er begann sogleich nach seiner Ankunft in Wien an einem
Prachtwerke zu arbeiten, bestimmt, die neu entdeckten Pflanzen und
Thiere Brasiliens bekannt zu machen. Von diesem Werke, das den Ti«
tel führt: Delectus Elorae et Eaunae Lrasiliensis, erschienen 4 Hefte
(Wien 1820—^25), mit naturgetreuen colorirten Abbildungen, es
wurde von Kennern dem Gehalte wie dem Kunstwerthe nach den besten
in Londol? und Par is erschienenen Prachtwerken gleichgestellt. Die
Rückkehr aus Brasilien, wo das Clima ihm ungemein zusagte, hatte
nachtheilig auf seine Gesundheit gewirkt, da ihm hierauf der Winter der
Heimath rheumatische und entzündliche Krankheiten und gichtische Zu«
fälle herbeyführte, welche letzten in ein bleibendes Nervenleiden des rech-
ten Armes übergingen, dessen anfängliche Heftigkeit, nach vielen ver-
geblich versuchten Mitteln, nur durch eine Reise nach dem wärmeren
Himmelsstriche Italiens und insbesondere Siciliens gemildert wurde.
Auch auf dieser Reise sammelte er Naturalien und naturhistorische Beob-
achtungen, und machte in einem, zu einem wohlthätigen Zwecke unter
dem Titel: Kinder meiner Laune, herausgegebenen Werkchen, welches
zum Theil Poesien enthalt, auch Reise ? Notizen, sowohl aus Brasilien als
aus Italien bekannt, in welche die naturhistorischsn Beobachtungen
eingeschaltet sind. — Sein Hang zur Wohlthätigkeit, den er aus eige-
ner Kraft nicht befriedigen konnte, bewog ihn, durch den Ertrag von
Gedichten und musikalischen Akademien Geldsummen herbeyzuschaffen,
durch die er vorzugsweise das Institut der barmherzigen Brüder zu Prag
unterstützte. Er wurde von mehreren in- und ausländischen Gesellschaften
der Wissenschaften zum Mitglieds gewählt. Die k. k. patriotisch-ölonomi«
sche Gesellschaft zu Prag hatte ihn auch zu ihrem Secretär ernannt,
welchem Amte er durch 16 Jahre vorstand, aber es langer zu verwalten
durch das Gichtleiden seines rechten Armes verhindert wurde. Da§?
selbe, zwar durch jene Reise nach Italien gemilderte aber nicht gehobene
Gichtleiden bewog ihn, nachdem er als Professor an der Prager Univer«
sität durch 35 Jahre vorgetragen hatte, seine Pensionirung anzusuchen,
die ihm auch 1331 mir Beybehaltung des ganzen Gehaltes ;u Tbeil
»y.urde. Außer den genannten Werken erschien von ihm die 18l1 von
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie