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Geckcndorf, F.iedr. ^einr. Graf v. 635
<mem würtembergischen Regiments in venetianischem Solde als Capital!
Dienste nehmen, als ihn der Markgraf vo:l A ispach ^u Venedig traf,
und ihn unter der Bedingung, ihn erst auf seiner Reise durch Iralien
zu begleiten, zu einer Grelle als H^uptmann zu seinem Regiment im kai-
serl. Dienste berief. Er begab sich dann im Iuny 1697 zum Heere. Aber
auch diese Aussicht zerstörte der Ryswicker Friede. Indessen ward er 1693
zur Armee des Prinzen Eugen gegen die Türken gesandt. Der damahls
eben ansbrechende spanische Ecbfolgekrieg gab ihm endlich hinlängliche Ge-
legenheit zur Auszeichnung. Er führte in Deutschland das Ansoachische
Dragonerregiment und wohnte den BelagerungenvonStev enswart,
Venloo, Roermonde und Lüttich bey. 1704 sandte ihn M arl-
borough voran, um die Vereinigung der allirten Armeen bey Hoch-
stä't zu bewirken. In dieser Schlacht eroberte S. mit seinem Regi-
mente 16 französische Fahnen. 1705 vertheidigte er die Moselbrücke bey
Co nz und 1706 wachte er die Schlacht bey Rami l l ies mit. Wäh-
rend der Belagerung von L i l le , bey welcher er dieArbeitenindenTran-
cheen leitete, gewann er die Achtung des Königs August I. von Polen,
ward aber verwundet. Er folgte nun dem König nach Polen und ward
in dessen Heere Generalmajor, focht 1709 bey Malp laquet , com-
mandirte 1710 die sächsischen Hülfsvölker in Flandern und 1711 die Gar-
nison von Löwen. 1712 ward er sächsischer Gesandter im Haag, und
ging 1713 zur Dämpfung der Unruhen nach Wa rschau, ward 1713
General-Lieutenant und hatte 1715 bedeutenden Antheil an der Eroberung
Stralsund's. 1717 ward er auf Eugen's Betrieb kaiserl. Feldmar-
schal-Lieutenantund focht bey Belgrad mit. 1718 ward er nach Sici-
lien gesandt, wo er trotz der Zerstreuung seiner Flotte durch einen Sturm
Mi lazza so lange hielt, bis General Mercy anlangte. Er nahm die li-
parischen Inseln und half bey Eroberung mehrerer sicilischer Städte.
1720 schloß er, obschon verwundet, den Vertrag, welchem gemäß die
Spanier die Insel räumten. Bey seiner Rückkehr nach Deutschland ward
er bis 1726 mit kaiserlicher Erlaubnis; und als kaiserlicher General, säch-
sischer Gouverneur von Leipzig, ward dann als kaiserl. Gesandter nach
Ber l i n geschickt, um den König von Preusien von der hannoverischen
Allianz abzuziehen, ihn zur Genehmigung der pragmatischen Sanction
zu bewegen und die Doppelehe einer englischen Prinzessinn mit dem Kron-
prinzen von Preußen und einer Tochter des Königs mit dem Prinzen
von Wales zu verhindern. Alles gelang, wie es der kaiserl. Hof nur
wünschen konnte. Friedr. W i l he lm , der ihn bereits bey S t ra l -
sund kennen gelernr hatte, trat gegen das im Tractat vonWesterhau«
sen 1727 versprochene Iül ich und B erg von der Allianz mit England
ab, die Töchter des Königs heyratheten gegen ihren Willen durch S.'s
Einflüsterungen den Markgrafen von Bayreuth und den Markgra-
fen von Anspach, und der Kronprinz Friedrich vermählte sich wider-
willig, nachdem durch S.'s Einfluß eben so wenig eine Ehe mit der Prin-
zessinn Anna von Mecklenburg, der Erbinn des ruffischen Reichs zu
Stande gekommen war, mit einerPrinzessinn von Braunschweig. Mäch-
tigen Einstuft bewies S. bey der bekannten Flucht Frieorich's des Gro-
ßen, wo S.'s Vermittlung und das von ihm übergebene eigenhändige
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe N-Sed, Volume 4
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe N-Sed
- Volume
- 4
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 660
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie