Page - 636 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe N-Sed, Volume 4
Image of the Page - 636 -
Text of the Page - 636 -
636 Seckendorf, Friedr. seinr. Graf v.
Schreiben Carl's V I . den Kronprinzen vor den Drohungen seines Vaters
zu bewahren, beytrugen. Als nach der Versöhnung des Wiener Hofes
mit England 1731 durch den Tractat von Sev il l a der Fonig von Preu-
ßen gegen ersteren Hof sehr mißtrauisch wurde, veranstaltete S. eineZu-
sammenkunft dieses Monarchen mit dem Kaiser 1732 zu Kladrub in
Böhmen, von wo sie neubefreundet zurückkehrten. Wahrend seiner Ge-
sandtschaft in Ber l i n hatte er 1728 auch am Dresdener Hofe für die
Allianz mit dem Kaiser, obwohl vergebens, zu wirken versucht, denn
August derStarke hielt zu fest an Frankreich und dessen Versprechun-
gen in Rücksicht einer Theilung Polens. 1732 ward S. auch nach K o«
pen Hagen gesandt und es gelang ihm, das dänische Cabinet zur An»
erkennung der pragmatischen Sanction zu bewegen. Ohne seinen Ge-
sandtschaftsposten am preußischen Hofe aufzugeben, schloß er um dieselbe
Zeit mit den Herzogen von Sachsen, den Markgrafen von Brandenburg
und den Landgrafen von Hessen Subsidienvertra'ge und es gelang der den
Österreichern entgegen streb enden Partey nicht, die Gesinnungen des
Königs gegen ihn zu ändern. So ward denn 1732 zu Be r l i n derlö-
wenwaldische Vertrag unterzeichnet, durch welchen Rußland, Preußen
und Österreich sich verpflichteten, -weder einen Inländer, noch Friedrich
August von Sachsen, sondern den Infanten Emanuel von Portu«
gal zum Thron Polens gelangen zu lassen. In Folge dessen unterstützte
keine Macht d)e Wahl des Stanis lauS Leczinski , und durch
Rußland und Osterreich gelang es dennoch, daß August I I I . , Chur«
fürst von Sachsen, dem Tractat entgegen, den polnischen Thron wieder
bestieg. Dieß erkaltete Friedrich Wilhelm's Eifer so bedeutend, daß
S., als der Kaiser am Rhein von den Franzosen angegriffen wurde,
den König kaum zur Stellung eines Hülfscheeres von 10,000 Mann be-
wegen konnte. Seit 1731 schon war S. Gouverneur von Phi l ipps-
burg, bald darauf ward er Reichsgeneral der Cavallerie, und endlich
2733 an den Rhein zur Armee berufen. Obwohl er nun, demungeach«
tet, seine Gesandtenstelle zu Ber l i n beybehielt, so sandte man dennoch
während S.'s Abwesenheit den Fürsten Liechtenstein dorthin, die
frühern Freundschaftsverhältnisse wieder anzuknüpfen, allein vergebens,
denn der mißtrauisch gewordene König, welcher im neuen Gesandten nur
einen neuen Beweis der Sinnesänderung des KaiserS salx, ging auch
nicht eine «Vorschlag desselben ein. S. ward indessen von seinem Posten
als Commandant von Ma inz zum Commando der Armee beym Rhein
berufen und ging gegen die Mosel und die Maas, um die Franzosen
von dort zu vertreiben. Er richtete den erhaltenen Auftrag aus, schlug
hie Franzosen bey den Klausen und nahm seln Hauptquartier in Trier,
als der Friede seinen Thaten ein Ziel setzte. Als er sich nun von den Ge-
schäften zurückziehen wollte, ward er zum General-Feldmarschall ernannt,
und bereiste Ungarn im Auftrage des Kaisers, da ein Krieg mit der Pforte
dem AuSbruche nahe war. Beym Beginn des Feldzugs, der erst spat
1735, wegen des vielen Regens eröffnet werden konnte, ward Nissa
erobert und alles schien qnfangs die glücklichsten Erfolge zu versprechen.
Allein dje mißglückten Operationendes Prinzen von Hi ldburghau-
sen und des Grafen von Wa l l is in Serbien und der Walachey, die
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe N-Sed, Volume 4
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe N-Sed
- Volume
- 4
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 660
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie