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treuen Vasallen zurück, und ernannte ihn zum Reichsgrafen und Nittev
des goldenen Vließes. S. suchte seinem durch die Unruhen in Verfall
gerathenen Vaterlande nach Kräften aufzuhelfen, und bewog den Kaiser
zu einer vollkommenen Amnestie, so daß derselbe durch einen öffentlichen
Gnadenbrief sogar die Privilegien der Stande wieder bestätigte. In dem
edlen Streben für das Wohl seines Vaterlandes erreichte S. ein hohes
Alter, und verschied zu Neuhaus 1652. — Noch ist seiner gelehrten
Arbeiten zu gedenken, die in 10 von ihm eigenhändig, meistens in böh-
mischer Sprache, geschriebenen Bänden die Geschichte seiner Zeit ent-
halten, und darin insbesondere eine ausführliche Vertheidigung wider
die damahligen Häupter der protestantischen Partey.
Slawik, Ios . , ausgezeichneter Virtuose auf der Violine, wurde
geboren zu Ginetz im Berauner Kreise Böhmens den 1. März 1806.
Die Ausbildung seines frühzeitig erwachten Musikralentes unternahm
sein Vater, Schullehrer und Organist zu Horzowitz in Böhmen/
und der junge S. machte fo riesenhafte Fortschritte, daß er bereits im
8. Jahre die schwersten R h o d e'schen Quartetten :c. zur Bewunderung
aller Anwesenden spielte. 1306 kam S. als Schüler in das Conseroato-
rium nach P rag , und errang gleich in den ersten Jahren seines dorti-
gen Aufenthaltes unter Leitung des Professor Pixis die Anerkennung
als einer der ersten Schüler des Institutes. Durch Übungsstücke vonPa-
ganini's Composition, die S. zum Geschenke bekommen hatte, ange-
regt, componirte er im letzten Jahre seines Lehrcurses ein Concert, das
so schwierig gesetzt war, daß ihm sein Professor mit den Worten aus-
schalt:Wie man so narrischesZeug componiren könne, das kein Mensch zu
spielen im Stande sey. Nach vollendetem Lehrcurse reiste S. 1825 nach
Wien, und lebte längere Zeit bloß von dem Ertrag seiner Concerte, in
welchen er durch sein kühnes, großartiges Spiel allgemeine Bewunde-
rung erregte. Paganini 's Anwesenheit 1328 in'Wien gab S.'s
Streben erneuten Schwung, und sein ganzes Trachten war, diesem
gefeyerten Tonhelden nachzueifern, was ihm auch, bis auf einen ge-
wissen Grad, zum Erstaunen gelang. Nachdem er noch auf einige Zeit
Par is besucht hatte, um die französischen Meister kennen z« lernen,
wurde S. 1329 als wirkliches Mitglied der k. k. Hofcapelle angestellt.
Von nun an lebte er nur mehr der Kunst, jedes seiner Concerte fand
enthusiastischen Beyfall, und nur wenige Stimmen wagten es ihm vor-
zuwerfen, daß seine Phantasie in ihrem kühnen Schwünge eigensinnig
zu große Hemmnisse erfand, welche die Schönheit des Vertrages beein-
trächtigen mußten, ja daß selbst die Besiegung, freylich ungeheurer,
absichtlich gehäufter Schwierigkeiten nicht immer auf das glücklichste
vollbracht werde. Ohne die Wahrheit dieser Bemerkungen in Abrede
stellen zu wollen, bleibt es doch gewiß, daß S. ganz ungewöhnliches
Genie und das reifste, eifrigste Streben nach Vollkommenheit be-
saß, leider war seine Laufbahn"zu kurz, um alle Erwartungen erfüllen
zu können. Er starb 1832 zu Pesth, woselbst er auf einer Kunst«
reise kaum angekommen war, und wurde daselbst mit Pomp zur Erde
bestattet. Seine hinterlassenen Compositionen, an deren Ausführung,
der ungemeinen Schwierigkeiten wegen, sich vielleicht sobald Niemand
Oesterr. Nat.Cncyll. Vd.V. ^
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie