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Sonnleithner, I gn . iLdler v. 79
schen Nation an der Wiener Universität bekleidet; 1806 und 1807 er-
theilte er auf kaiserl. Auftrag 4 Professoren von den königl. ungar. juri-
dischen Lehranstalten im Handels- und Wechselrechte zum Behufe ihrer
Vorlesungen gründliche Anleitung, wobey er den größten Eifer wahr-
nehmen ließ. Inzwischen bearbeitete S. für seine Vorlesungen ein Lehr-
buch, welches als ordentliches Vorlesebuch bey allen deutsch-österreichi-
schen juridischen Lehranstalten mit Inbegriff jener in den italienischen
Provinzen angenommen, und von ihm spater mehrmahls überarbeitet,
und zeitgemäß verbessert wurde. Alle diese Verdienste wurden gewürdigt,
und nicht nur durch Belobungen und Remunerationen, sondern auch
durch den ihm 1310 taxfrey verliehenen Titel eines k. k. Rathes belohnt.
Zugleich erhielt er in demselben Jahre das ordentliche Lehramt der Hand-
lungswissenschaft, des Handels- und Wechselrechts an der k. k. Real-
schule, und behielt dasselbe bey, als die Realschule dem 1815 in Wien
neu errichteten k. k. polytechnischen Institut einverleibt, und seine Lehr-
kanzel der commerciellen Abtheilung dieseS Instituts zugewiesen wurde.
Das Eigenthum seines für die k. k. Realschule neu verfaßten Lehrbuches
überließ er unentgelolich dem Schulfonde, wofür ihm 1813 die kaiserliche
Zufriedenheit bezeigt wurde. 1814 fing er auch an, an Sonntagen
außerordentliche Vorlesungen für Handelsleute und Handelsbefiissene an
der Wiener Universität zu halten, welche er mit geringer Unterbrechung
durch 12 Jahre fortsetzte, und welche sehr zahlreich besucht wurden.
Diese Verdienste und der ausgezeichnete Ruf, den er als unermüdeter,
gewissenhafter und uneigennütziger Rechtsfreund erlangt hatte, bewogen
den Kaiser Franz, ihm ohne sein Ansuchen 1828 den österr. Adelsstand
taxfrey zu verleihen. Seiner angegriffenen Gesundheit wegen, legteer
zu Ende 1829 die Advocatur und das Notariat zurück, und widmete
sich bis an das Ende seines Lebens nur mehr der Professur und der Lieb-
lingsidee seiner spätern Jahre, der allgem. Versorgungs-Anstalt. Die
mannigfaltigen Weltereignisse, welche sich wahrend der ersten 40 Jahre
seines Lebens in unaufhörlichem Wechsel drängten, und nur zu häufige
Bilder des Unglücks und der oft unverschuldeten Verarmung darbothen/
erregten in seinem menschenfreundlichen Herzen den lebhaften Wunsch,
eine Anstalt zu gründen, welche es jedem Staatsbürger möglich machte,
mit einer maßigen Einlage sich das nöthige Auskommen für seine späteren
Tage zu sichern, und welche den Keim einer steigenden Ausdehnung und
Nützlichkeit in sich trüge. — Nach vieljährigen mühsamen Vorarbeiten
und Versuchen kam endlich der Plan einer allgemeinen Versorgungs-
Anstalt für die Unterthanen des ösierr. Kaiserstaates zu Stande, dessen
Wesen in einer künstlichen Zusammensetzung von Tontinen besteht, in-
dem jährlich jede der angenommenen 7 Ältersclassen für sich, und eben
so diese 7 Classen zusammen, endlich auch alle Iahrsgesellschaften gemein-
schaftlich eine Tontine bilden, so daß das Alter, zunächst für sich, dann
für die jüngeren Einleger, endlich mit diesen für alle künftigen Genera-
tionen ein Versorgungscapital sammelt, welches schon mit Ende 1831
über 2 Millionen Gulden in Conv. Münze betrug, und welches noth-
wendig sich immer vermehren muß. Hierbey sind durch höchst sinnreiche
Nebenbestimmungen die gewöhnlichen Mängel der Tontine beseitiget, und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie