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S o n n t a g s b e r g .
insbesondere ist auch porgesehen worden, daß jeder Einleger oder seine
Erben all baren Geldbeträgen, im schlimmsten Falle docy wenigstens
eben so viel zurückerhalten, als der Einleger bar zur Anstalt entrichtete.
Nach reiflicher Prüfung durch die betreffenden Behörden wurde 1823 die
Errichtung der allgem. Versorgungs-Anstalt nach S.'s Plane bewil-
ligt. Die Ausführung unterlag jedoch manchen Schwierigkeiten. Einige
Privatpersonen machten sich dazu anheischig, zogen sich aber aus Eng-
herzigkeit oder Unkenntniß der Sache wieder zurück. Diese unerwartete
Täuschung bereitete S. eine unverdiente bittere Kränkung, welche seine
Gesundheit sehr erschütterte. Bald aber fand sich ein neuer .Unterneh-
mer, nähmlich der Verein der ersten österreichischen Sparcasse, welcher
den erhabenen, mit dem seinigen nahe verwandten Zweck erkannte, und
der mit rühmlicher Thatkraft zur Ausführung schritt, so daß schon im
Jan. 1825 die Anstalt ins Leben trat, welche vereint mit der Sparcasse
bereits allgemeine Anerkennung findet, wiewohl erst eine längere Dauer
die kaum übersehbare Großartigkeit des Planes enthüllen, und zur all-
gemeinen Anschauung bringen wird. Im Dec. 1824 trat S. als Aus«
schuß und Referent der Versorgungs-Anstalt, dem ersten Sparcasseverein
bey, wo er dann auch 1326 als einer der Referenten dcr Sparcasse
selbst gewählt wurde, und in dieser Eigenschaft bis an sein Ende mir
Redlichkeit und unermüdetem, leider durch Kränklichkeit gehemmten
Eifer, zu wirken bemüht war. Dieser vielverdiente Mann, der sich
durch seine gemeinnützige Thätigkeit ein unvergängliches Denkmal gestif-
tet, starb denZ7. Nov. 1331 zu Wien. S.'s persönlicher Charakter
war in jeder Hinsicht edel und liebenswürdig. Strenge Rechtlichkeit war
bey ihm mit seltener Güte des Herzens und mit einer unvertilgbaren
Heiterkeit des Gemüths verbunden. Seine Gabe des Witzes, seine frohe
Laune, erheiterten oft den Kreis seiner Freunde; durch sein musikal-
sches Talent errang er in seinen früheren Jahren eine Art Berühmtheit/
indem er mit einer seltenen klang- und umfangreichen Baßstimme,
einen schonen und verständigen Vortrag im Gesänge verband. Als Mit-
glied der Gesellschaft der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates, dann
des Vereins zur Beförderung der bildenden Künste, war sein Streben
auf die Förderung dieser Anstalten gerichtet. Als Schriftsteller lieferte er
nebst einer Inaugural-Dissertation: „Über das Verhältniß der Provinz
Elsaß zum deutschen Reiche;" 18l0 eine Flugschrift: »Gedanken über
Banknoten und öffentliche Fondsobligationen," ferner in demselben
Jahre eine turze Anweisung : „Über die Acceptations-, Verfalls- und
Protestationszeit der Wechselbriefe," dann seine Lehrbücher über Han«
delswissenschaft, Wien l8I9 ;—Handels- und Wechselrecht, eb. 1920,
welche viele Auflagen und Umarbeitungen erlebten, endlich Erläuterung
der Statuten der allgemeinen Versorgungs-Anstalt, wovon auch bereits
die 3. Aufl., Wien 1333, erschienen ist.
Sonntagsberg, schöne Wallfahrtskirche auf dem Berge gleiches
Nahmens, im V.O.W. W. Niederösterreichs, nördlich von Waid-
Höfen an der Ips und südöstlich von Rosenau, zuerst 144t) er-
baut und 1722 in ihrer jetzigen Größe hergestellt, hat eine von D. Gran
gemalte Decke und ist herrlich ausgeschmückt. Sie ist Pfarrkirche für dle
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie