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ennsischen Landrathes übertragen, er auch bald darauf, nähmlich 1773
zum wirklichen Hofrath ernannt ward. Der blühende Zustand der Lin«
zer Fabrik, in welchen er dieselbe in kurzer Zeit versetzte, zeigte bald,
daß er diesen Unternehmungen gewachsen sey. Man übertrug ihm da-
her 1784 auch die Leitung der Porzellan-Manufactur> und bald darauf
auch jene der kaiserl. Spiegelfabrik, da beyde Fabriken sehr in Ab-
nahme waren. Durch rastlose Thätigkeit, kluge Speculationen und durch
den Geist der Ordnung und Sparsamkeit, den er in jedem Zweige die-
ser so mannigfaltigen Manufacturen einzuführen und zu erhalten wußte>
brachte er beyde Fabriken, vorzüglich aber die so beträchtliche Porzellan-
Manufactur auf einen Grad der Vollkommenheit/ daß sie seitdem einen
bedeutenden Rang unter den ersten Porzellanfabriken Europens behaup-
tet. Aber nicht bloß der Ruhm und die Vervollkommnung der Fabriken
war der Zweck seiner angestrengten Bemühungen; auch das Schicksal
der Arbeiter lag ihm am Herzen. Er errichtete nach einem wohldurch-
dachten Plane bey beyden Fabriken ein Provisions-Institut, durch wel-
ches den Arbeitern Hülfe und Unterstützung, dem Staate aber große
Erleichterung zuwuchs. Auch um die Kunst machte er sich durch Errich- ^
tung einer Malerschule bey der Porzellanfabrik vorzüglich verdient, in-
dem in derselben viele der besten Künstler gebildet, und durch sie man-
ches Talent, das ohne Unterstützung für die Kunst verloren gegangen
wäre, für dieselbe gewonnen wurde. Er ward dafür von der Akademie
der bildenden Künste zum Rath ernannt. Den 8. May 1765 wurde er
in den Adelstand, und den 1. Iuly 1795 in den Freyherrnstand erhoben,
auch erhielt er den 10. Sept. 1790 die Truchseß-Würde. Er starb den 17.
Oct. 1805 zu Wien.
Souches, Ludw. Ratwich Graf v^, kaiserl. geh. Rath,
Feldmarschall und General der slavonischen Gränzen, geb. 1603. Von
edler Herkunft, aber in beschränkten Olücksumständen, kam S. aus seiner
Vaterstadt/ La Rochelle mit einem deutschen Edelmanns nach Schwa-
ben, wo er, als dieser ihm verächtlich begegnet hatte und keine Genug-
thuung geben wollte, in schwedische Kriegsdienste trat. Er hatte es dar-
in bis zum Obersten gebracht, als er sie verließ, und sich mit seinem
bereits erworbenen Rufe dem Kaiser Ferdina nd I I I . anboth. Ihm wurde
gleich (1643) das Commando von B rü n tt übertragen. Die heldenmüthige
Vertheidigung des Platzes, vor dem Torstenson 4 Monathe verge-
bens zugebracht hatte> und an dem damahls so viel gelegen war, eröff-
nete ihm den Weg zur höhern Würde. In dem nordischen Kriege (1659)
rückte S. in Pommern ein, wo er sich mehrerer Plätze bemächtigte, auch
in Verbindung mit brandenburgischen Truppen einen Versuch aufStet-
t in machte, Demmin aber einschloß. Nachdem FriedenvonO l iva
führte er sein Eorps nach Ungarn, wo er unter vielen Schwierigkeiten
dievon Ra ko czy abgetretenenGrafschaftenSza th mä r undS z omb o-
lich (1660) in Besitz nahm; nachmahls wurde er beordert, Groß war-
dein zu entsetzen, allein dieß war bey der geringen Unterstützung, die
er im Lande fand, nicht möglich. Er mußte sich bis Er lau zurückzie-
hen. Als seine Lage zu Unternehmungen günstiger wurde, gelang es ihm,
m Neutr.a mehrere türkische Befchlshaber aufzuheben, die hier im
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie