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S p a l l n n z a n i.
die Stadt ein erzbischö'fl. Seminar mit philosophischen Studien, eine
Haupt- und Mädchenschule, ein Museum für Alterthümer,- eine Spar-
casse, ein Civil- und Militärspital am Monte Marian, und eine kalte
Schwefelquelle, welche sich in den geräumigen aber nicht ganz sichern Ha,
fen ausmündet. Der Handel mit Hornvieh, Pferden und Schweinen,
mit Südfrüchten, Rosoglio, Wachs:c. ist nicht unbedeutend. S. hat
eine reizende Umgebung. Die beliebtesten Spaziergänge sind nach dem
Mönchskloster Pa lud i, zur B arcagna und nach Sa lona.
Spal lanzan i, Lazaro, geb. 1729 zuScandiano, einer klei-
nen Stadt im HerzogthumModena, wurde anfänglich von seinem Va,
ter, einem sehr geschickten Juristen, dann aber von den Jesuiten zu
Reggio unterrichtet. Spater ging er auf die Universität Bologna,
wo er sich nahmentlich unter Leitung seiner Verwandtinn, der berühmten
Laura Ba ls i ausbildete. Anfänglich war er zum Studium der Rechte
bestimmt, allein bald wandte er sich der Philosophie und den Na,
turwissenschaften zu. Er wurde, 26 Jahre alt, zum Professor der schönen
Wissenschaften und der Philosophie zu Reggio ernannt. Hier, und
späterin Mo d en a machte er seine Beobachtungen über den Ursprung der
Wasserquellen, über die Ursache des Abprallens schief auf eine Wasser,
flache geworfener Steine, über die organische Reproduction, über den
Einfluß der Bewegung des Herzens auf die Blutgefäße und stellte seine
Theorie über die Zeugung auf. 1770 ward er Professor der Naturgeschichte
in Pav ia und ergab sich nun ganz den Naturwissenschaften. Vorzugs«
weise beschäftigte er sich mit den Infusionstierchen. 1779 begann er seine
Reisen, und zwar zuerst nach der Schweiz, an die Küstendes mittellän-
dischen Meeres nach Istrien und an die Küsten des adriatischen Meeres,
und 1735 nach Constan t inop el. Hier blieb er 11 Monathe und
durchforschte die nächsten Umgebungen dieser Stadt. Von da reiste er zu
Land zurück nach Wien. Hier zwar mit vieler Auszeichnung von Kai»
ser Joseph I I . aufgenommen, gewahrte er jedoch bald, daß man ihn
in Verdacht habe, das naturgeschichtliche Museum zu Pav ia mehrerer
ausgezeichneten mineralogischen Seltenheiten beraubt zu haben. Aufbis-
sen Verdacht hin, hatte man sein väterliches Haus zu Scandiana
untersucht und in der That dort die vermißten Gegenstände gefunden. S.
aber rechtfertigte sich glänzend. Denn einerseits war er autorisirt, was im-
mer für Gegenstände aus dem Museum mit in seine Behausung zu neh'
men, anderseits hatte er die Vorsicht nie außer Acht gelassen, jene
Gegenstände in dem Cataloge nach ihrer Natur, ihrem Gewicht, ihrem
Maße aufzuzeichnen. Als S. nach Pavia kam, glich sein Einzug einem
Triumph. Die Studirenden holten ihn vor der Stadt ein und führten
ihn unter dem Zurufe der ganzen Bevölkerung bis in sein Haus. 1783
unternahm er noch eine Reise nach Neapel und Sicilien, um das Mu-
seum mit den noch fehlenden vulkanischen Erzeugnissen zu bereichern. Von
da zurückgekehrt, widmete er sich ganz dem Studium der Natur, wie
nicht minder der Beredsamkeit. Die französische Revolution und derKncg
in Italien berührte auch S. Als die republikanische Armee in die Lom-
bardie und nach Pavia einrückte, mußte S. auf seinem Zimmer von
französischen Soldaten bestürmt, einen Augenblick das Schicksal des A r<
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie