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294 Taubstummen-Institute.
mer um 5, im Wintsr um 6 Uhr gegebene Glockenzeichen werden die
Knaben von dem Wärter/ die Mädchen von der Wärterinn geweckt. Nach-
dem sich die Zöglinge gewaschen, gekämmt, angekleidet und ihre Betten
gemacht haben, verrichten sie noch in den Schlafsälen ihr gemeinschaft-
liches Morgengebeth, worauf die Knaben im Speisesaale, die Mädchen
aber in ihrem Arbeitszimmer das Frühstück erhalten. Um 6^ Uhr im
Sommer, und um 7^ Uhr im Winter wohnen die Zöglinge dem Got-
tesdienst in der Hauscapelle bey; der Unterricht beginnt im Sommer um
7, im Winter um 8 Uhr und dauert im Sommer für die erste Classe
bis 10, für die zweyte und dritte Classe bis 11 Uhr, im Winter des
fvatern Anfangs wegen auch eine Stunde länger. Um 11 Uhr im Som«
mer gehen die männlichen Zöglinge in den Garten des Institutes, im
Winter, bey gutem Wetter, jedoch nur jene, welche um diese Zeit
frey sind. Um 12 Uhr wird gespeist, nach Tische haben die Knaben bis
I Uhr, die Madchen aber von 1 bis 2 Uhr Erholung im Garten, der
nachmittägige Unterricht beginnt um 2 und währt bis 4 Uhr, worauf
das Vesperbrod vertheilt wird. Nach demselben gehen die Mädchen in den
Garten, bleiben daselbst bis 5, in langen Tagen bis 5^ Uhr und be-
schäftigen sich sodann den Rest des Nachmittags bis zum Abendessen in
ihrem Arbeitszimmer. Die Knaben erhalten ihr Vesperbrod im Speise?
faale und haben bis 5 Uhr frey. Dann beschäftigen sie sich mit Wieder-
holung der Schulmaterien und Ausarbeitung ihrer Aufgaben. In kurzen
Tagen gehen sie sodann eine Stunde, in längern 1^ Stunde vordem
Abendessen zur Erholung in den Garten. Das Abendessen nehmen die
Zöglinge im Winter um 7, im Sommer um 3 Uhr ein, und eine Stunde
nach Tische gehen sie zu Bette. Wenn nach anhaltenden oder heftigen
Regen der Garten zu feucht ist, werden die Zöglinge in den geräumigen
Hofgeführt>. dergevstastert, mit Abzugöffnungen versehen ist und alsobald
nach dem heftigsten Regen wieder hinlänglich trocken wird. An Donnerstagen
machen sie bey günstiger Witterung gewöhnlich einen Spaziergang vordie
Linie. Die Gesundsheitspftege ist in dem Institute vortrefflich. Es wer-
den auch außer den unentgeldlichen, Kostzöglinge aufgenommen/ das
jährliche Kostgeld ist jedoch nicht fixirt, sondern richtet sich nach den Prei-
sen der Naturalien und sonstiger Bedürfnisse. Der Mittelbetrag ist in-
dessen auf 150 fi. C. M. anzunehmen, für denselben wird der Taubstumme
unterrichtet und mit Kleidung, Nahrung, Schulrequisiten, kurz mit al-
lem Nöthigen im gesunden und kranken Zustande versorgt. Für Taub-
stumme aus höhern Ständen besteht eine Privatverpfiegung bey dem Insti-
tutsdirector, auch können auswärtige Taubstumme an dem Schulunterrichte.
Theil nehmen. Endlich besteht noch ein unentgeldlicher achtmonathlicher
Lehrcurs zur Bildung für Taubstummenlehrer in diesem Institut. Das
Directions- und Lehrpersonale des Instituts besteht gegenwärtig aus dem
Director M. Venus (s. d.) , dem Katecheten Herm. Czech, und
den Lehrern Franz Wenzel Guba, zugleich Rechnungsführer und
beeideter Dolmetsch der Taubstummen, dann Iac. Fischbach, eben-
falls beeideter gerichtlicherDolmetsch. Die Gesundheitspflege bey dem In-
stitute besorgen mehrere Arzte unentgeldlich. Die übrigen T . - I . im österr.
Kaiserstaate sind: Das priv. T . - I . zu Prag in Böhmen, mit dem
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie