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Beregsz6 und Birda; der Bega-Canal, welcher diese Gespanschaft
durchschneidet, und der Bevsavaer Canal; viele Sümpfe und Moraste,
worunter der Alibunaer Morast der bedeutendste. — Producte: Getrei-
de, Reis, Tabak, Krapp, Obst, Wein, Holz, Hornvieh, Pferde,
Schafe, Schweine, Seide, Honig, Wildpret, Federwild. — Die
Eintheilung der T. G. geschieht in 4 Processe.
Temesvar, ungar. königl. Freystadt und Festung vom ersten
Range im Temeser Comitat, am Flusse Temes, bestand, als die Tür-
ken die Stadt noch inne hatren, nur aus wenigen Hausern und einer
alten Burg, welche noch heut zu Tage bewohnbar ist. Als Prinz E u.
gen 1713 diesen Ort den Türken abgenommen, wurden die jetzt beste-
henden großen Festungswerke zur Schutzwehr gegen die Türken angelegt,
und die Stadt ganz neu aufgebaut, daher sie auch aus lauter schönen,
breiten Straßen und massiven modernen Häusern besteht. 1732 wurde
T. von der Kaiserinn-Königinn Mar ia Theresia zu einer königl.
Freystadt erhoben. — Die dermahlige Stadt und Festung ist mit drey-
fachen Schanzen und Vorwerken versehen, und hat 3 Thore. Das Trink-
wasser wird mittelst einer Maschinerie durch eiserne Rohren unterirdisch
aus der reichen und gesunden Quelle, welche sich in der Fabriken-Vor-
stadt befindet, in die Stadt geleitet. — In T. ist der Sitz des Csana-
der katholischen und des griechisch-nichtunirten Diöcesan-Bischofs von
T., sammt dem Capitel und dem Seminarium des ersteren Bisthums,
in welchem die Piaristen Unterricht ertheilen; ferner befinden sich bier
ein General^Festungs-Divisions-und Brigade-Commando, ein Ober-
Kriegs- und Ober-Provinzialcommissariat, eine Kriegscasse und ein
Verpfiegsamt, ein Militär-Knaben-Erziehungshaus, ein großes Zeug-
haus, eine königl. Cameral-Administration, eine Postpräfectur, ein
Salz- und Dreyßigstamt, der Sitz des Comitats. Zu den vorzüglichsten
Gebäuden gehören: Die Csanader und die griechisch-nichtunirte Catbe-
drale, die Pfarr-, Piaristen- und Seminarkirche, und die der barm-
herzigen Brüder mit Spital; das Comitathaus und das deutsche und
griechische Stadthaus, in welch' Letzterem sich das nicht unansehnliche
Theater und der Redoutensaal befinden; das Militär-Gebäude; das Ge-
neral-Festungscommandohaus; die Casernen; das alte Schloß, welches
jetzt zum Zeughause verwendet wird. Mehrere der oben erwähnten Kir-
chen sind aus türkischen Moscheen in christliche Kirchen umgewandelt wor-
den. Die Häuser stehen großentheils auf schönen Plätzen. — Die Ein-
wohner von T., 12,000 an der Zahl, in 1,304 Häusern lebend, sind
Deutsche, der katholischen und evangelischen Religion zugethan; dann
Griechen, Walachen und Juden, welche Letztere gleichfalls ihre Syna-
goge haben; die meisten der Einwohner nähren sich vom Handel, von
Fabriken und Handwerken. Zur Belustigung der Publicums dienen der
sogenannte Iagdwald und der Präsidenten-Garten unweit der Stadt.
— T. hat 3 Vorstädte, zu denen schone Alleen führen und deren jede
volkreicher ist, als die Stadt selbst. Vor dem Wiener Thore ist die Vor-
stadt Michala , welche seit 1783 ein Stadtgut ist; sie wird von Wa-
lachen bewohnt, die sich von Viehzucht und Landbau nähren, und ihre
eigenen Kirchen haben. — Vor dem Peterwardeiner Thore ist die I o-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie