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T e p l i y (böhm. S t a d t ) . 3l5
erhalt dadurch eine gelind stärkende, das Blutsystem reizende, krankge,
stimmte, Nerven beruhigende Eigenschaft. Sein innerlicher Gebrauch
hat sich bisher nützlich erwiesen, um die Wirkung des Bades zu unter-
stützen, zu erhöhen in allen jenen Krankheitsformen, wo es als Bade-
gedrauch seinen großen Ruf der Heilung erworben hat, wo besonders
die Unterleibs-Organe in Mitleiden sind, oder aus ihnen die äußerli-
chen Krankheitszufälle entspringen, wo eine kräftigere Einwirkung auf
alle. Absonderungs-Organe und das Pfortadersystem zu erzwecken ist,
daher in mehreren chronischen Übeln des Unterleibes. — Größeren Ruf
hat sich das Wasser als Bad erworben. Es ist von ausgezeichneter Wirk-
samkeit: 1) In chronischen Rheumatismen aller Art; 2) in der Gicht,
sowohl in der desorganisirenden , als in der anomalen. Die hartnä-
ckigsten Gelenkgeschwülste, Knoten, Knochenauftreibungen und Con-
tracturen werden hier nicht selten in wenigen Wochen gehoben. Sind
mit der Gicht Verdauungsbeschwerden , gastrische Unreinigkeiten, Sto-
ckungen in den Baucheingeweiden verbunden, oder ist die Gicht nicht
schon zu veraltet und daher Hoffnung vorhanden, den Mischungsfehler
des Blutes zu heben, so laßt man den Teplitzer Bädern den Gebrauch
vonCarlsbad (s. d.) vorhergehen; 3) tn chronischen Geschwüren und
Hautausschlägen jeder Art, und in den Krankheitsfolgen naturgewohn-
ter, unterdrückter Hautausdünstung, dann gewohnter anderer Schweiße;
4) an äußerlichen Geschwülsten und Verhärtungen im Zellgewebe und
in Drüsen; 5) in örtlicher Schwäche, so wie Contracturen, Steifig-
keiten und Lähmungen, als Folgen schwerer Verwundungen oder chirur-
gischer Operationen u. s. w. Es ift keineswegs gleichgültig , ob ein Kran-
ker in den städtischen Bädern oder in den Vorstadtbädern (dem Fürsten-
bade, dem Gürtlerbade, den Bädern des Herrenhauses), oder in den
Bädern zuSchönau bade. Die ersteren sind heiße (weit über 29° R.),
die zweyten warme (unter 29" R.), die ätzten stehen mitren inne; sie
übersteigen zwar dieBlutwarme, doch nicht bedeutend. Die heißen Bäder
sind wirksamer in der Gicht, in eingewurzelten Rheumatismen, in chro-
nischen Hautauöschlägen, bey kalren Geschwülsten, Stockungen im Zell-
gewebe und lymphatischen System, in Steisigkeiten und Contracturen,
so wie in Krankheiten, die von Störung der Hautausdünstung oder
aus metastatischen Ursachen, wie Zurücktritt, Unterdrückung der Gicht,
der Kratze, Flechten und anderer Hautausschläge entstanden sind. Aber
nicht alle Kranken, die an dergleichen Übeln leiden, dürfen die heißen
Bader ohne Unterschied brauchen; denn jenen, die vollblütig, zu Ent-
zündungen, Congestionen, Blutflüssen, zum Schlaqfiusse, zu Leibes-
verstopfungen geneigt, oder die schwächlich, reizbar sind, oder zugleich
an Brustschwäche oder an Stockungen in den Baucheingeweiden leiden,
so wie Hypochondristen und Hysterischen sind sie gefä'krlich; auch jene
Bäder inSch ön au, deren Temveratur 30" R. übersteigt, haben sie
zn meiden. Dagegen sind torvide, phlegmatische Subjecte für diese
heißen Bäder geeignet. Aber auch Kranke von dieser Constirution sollten
nicht mit den b/ißen Bädern anfangen, sondern zuerst n'arme brauchen,
und dann zu jenen übergehen. — Die stärkste Curzeit ist im Iuly unv
August. Im Jahre !3?6 belief sich die Zahl der Badegäste auf 2,300/
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie