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Theresia (Maria), römisch-deutsche Raiserinn. 333
folgte die That den begeisterten Worten. Mehr als 3,000 Edelleute
stiegen zu Pferde, und das ungarische Volk eilte in Massen für sie zum
Kampfe. Auch fand sich bald ein mächtiger unvermutheter Bundesge-
nosse; die Theilnahme fär die bedrängte hochherzige Frau sprach sich in
England energisch aus. Das edelmüthige britische Volk schoß unaufge-
fordert ungeheure Summen für T. zusammen. Die Londoner Damen
unterzeichneten allein 1,500,000 Gulden; mit edlem königlichen Stolze
schlug T. diese Gelder mit den Worten aus: Sie würde keine andere
Unterstützung annehmen, als welche ihr der König und das Parlament
bewilligen würde. Georg I I . nahm sich auch wirklich ihrer Sache an,
ein zahlreiches Heer Hannoveraner, Briten und Hessen rückte in die
Niederlande ein, und auch die Generalstaaten griffen für ihre Rechte
zu den Waffen. Nach der hartnäckigen, doch unentschiedenen Schlacht
bey Czaslau kam auch durch Englands Vermittlung 1742 der Berli-
ner Friede mit Preußen zu Stande, durch welchen Letzteres Ober- und
Niederschlesien, nebst der Grafschaft Glatz, erlangte. Sachsen trat
ebenfalls diesem Frieden bey, und schloß 1743 ein Bündniß mit Oster-
reich. Nun von dem gefährlichsten Gegner befreyt, wandte sich das
Glück des Krieges auf Österreichs Seite. Die Franzosen mußten Böh-
men / die Spanier Italien räumen; Eger und P rag wurden wieder
erobert, die taiserl. Armeen drangen in Bayern ein, und T. ließ sich,
während der Zeit, als sich Car l V I I . unthätig in Frank fur t ver-
halten mußte, in München huldigen. Die Festigkeit, womit T. die
französisch-bayer. Friedensanträge verwarf, und das zu Worms (l743)
zwischen Osterreich, Großbritannien und Sardinien geschlossene Bünd-
niß veranlaßte 1744 Frankreichs förmliche Kriegserklärung an Osterreich
und England, wie auch die Eröffnung des zweyten schlesischen Krieges
von Friedrich I I . , nachdem er für die Behauptung des eroberten
Schlesiens bey den Fortschritten Österreichs besorgt, sich mit Frankreich
verbunden hatte. Diesen Feldzug beendigte jedoch schon, nachdem Kaiser
Carl V I I . wieder nach München zurückgekehrt war, und daselbst
den 20. Iän. 1745 starb, den 25. Dec. desselben Jahres der Friede zu
Dresden, in welchem sich beyde Staaten ihre gegenseitigen Besitzun-
gen garantirten. Ea'rl's Sohn, M a x i m i l i a n Joseph, schloß dar-
auf ebenfalls mit Osterreich Frieden, welches ihm, gegen Anerkennung
der pragmatischen Sanction, seine Länder garantirte. Nun stand der
Kaiserwahl des Gemahls T.'s nichts mehr im Wege, und Franz I.
wurde den 4. Oct. 1745 zu Frankfur t gekrönt. Endlich führten auch
die Erschöpfung der französischen Finanzen, die Thronbesteigung Fer-
dinand's VI . in Spanien, welcher sein Heer aus Italien zurückberief
und der Vertrag der russischen Kaiserinn El isabeth mit T. zu dem
Abschlüsse des Aachner Friedens (l748) zwischen Osterreich, Frankreich
und Spanien, in welchem die Kaiserinn P a r m a , Piacenza und
Guastalla dem spanischen Infanten Ph i l ipp überließ. Nachdem die
osterr. Länder durch 8 Jahre der langentbehrten Ruhe genossen batten,
und nunmehr durch die Bemühungen des nachherigen berühmten Staats-
ministers Wenzel Fürsten v. Kaunitz (s. d.) auch Frankreich, durch
den Vertrag zu Versai l les 1756 mit T. in freundschaftliche Verhält-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Volume 5
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe See-V
- Volume
- 5
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 604
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie