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332 A m b r a s e r - S a m m l l l n g , k. k.
Ynßprügg, bey Ioanni Paur." Dieser Catalog, der nur die Rüstun-
gen enthält, wurde 2 Jahre vor des Stifters Tode höchst wahrscheinlich
auf dessen Befehl mit den schönsten Lettern/ ähnlich denen im Theuer-
dank, auf anderthalb Octavbogen gedruckt. 2) Das wohlbekannte
Prachtwerk des erzherzogl. Rathes und Secretärs, Iac. Schrenk v.
Notzing, in lateinischer Sprache, Innsbruck 160l, hey dem ge-
nannten Paur (m ^Fi-icola zeitüblich latinisirt) gedruckt, in Folio,
mit 125 Abbildungen der Rüstungen und Männer, sammt deren Lebens-
beschreibungen. 3) 1603 erschien hiervon eine deutsche Übersetzung bey
Daniel Baur in Folio, durch Erzherzog Ferdinand's Hofsecre«
tär, Engelbrecht Noyse v. Campenhouten, mit denselben Ku-
pfern, gezeichnet von Ioh. Fontana und gestochen von Dom in i-
cusCustodis. Diese gleichzeitigen Kupferwerke bilden eine beständige
Controlle für die Ächtheit der Rüstungen. 4) Eine erneuerte Quart-
ausgabe, gleichfalls mit Kupfern, besorgte der gelehrte Ioh. David
Köhler 1735 zu Nürnberg unter dem Titel: „Ombraßische Hel-
den-Rüst-Kammer." Da nach dem Erlöschen der jüngern tyrolischen
Linie (1665) keine erzherzogliche Hofhaltung mehr im Lande war, so
wurden Sammlung und Schloß immer mehr und mehr außer Acht ge-
lassen. Man hatte keine Kenntniß von den Vorstehern dieser un-
vergleichlichen Sammlung, bis Kaiser Joseph I I . bey seinem Besuche
von der crassen Unwissenheit eines daselbst custodirenden Lakayen seiner
Mutter betroffen, denselben zur Aufsicht in die Hofburg nach Inns-
bruck versetzte, und den als trefflichen, Hellenisten bekannten Ioh.
Bapt. P r i misser (s. d.) 1773 zum Schloßhauptmann von Ambras
ernannte. Dieser ist, seit den Zeiten des Stifters, wieder der erste Ordner
und Beschreiber der durch die Gleichgültigkeit und Unfähigkeit der bis-
herigen Aufseher.planlos durch einander gemengten Gegenstände gewor-
den , er gab 5) die „Kurze Nachricht von dem k. k. Raritäten - Cabinet
zu Ambras in Tyrol," Innsbruck 1777, in 8. heraus. Kaum ein Fünf-
tel dieses Buches enthält Notizen über das Geschichtliche, die naturhisto-
rischen und Kunstgegenstände nebst andern Denkmalen; denn der größte
Theil (von Seite 45 bis^zu Ende) umfaßt die Biographien der Ambra-
ser Helden.— Durch die Übertragung der Sammlung nach Wien wurde
eine neue Anordnung und Aufstellung nothwendig, welche, wie sie jetzt
besteht, Ioh. Papt. Pr i misser der Vater begonnen, und sein zu
früh, im 32. Jahre, verstorbener einziger Sohn Aloys P r i mis-
se r (s. d.) vollendete. Sein Werk 6) „Die k. k. Ambraser Sammlung,"
mit 2 Steindruckblättern, Wien 13l9, ist die beste Beschreibung irgend
eines Instituts und kann als Muster gelten. Nach vorausgeschickter Ge-
schichte des Schlosses und der Sammlung von Ambras (Seite 1—40)
beschreibt er die Sammlung nach ihren Theilen: 2) Rüstungen und
Waffen; b) Gemälde; c) Kunst- und Wunderkammern; <y Hand-
schriften , Bücher, Kupfer - und Holzstiche. Den Schluß (Seite
301—387) machen die Lebensbeschreibungen der Fürsten und Feldherren,
deren Rüstungen und Waffen in dieser Sammlung aufbewahrt werden.
Dieses Buch mit angehängtem Register ist lein trockener aufzählender
Catalog, sondern eine in allen Theilen gleichmäßig gehaltene, meister-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie