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310 A r t e s i s c h e B r u n n e n .
Niveau voraus/ das viel tiefer als die Wasser ableitende Bergschlucht
quillt, und daher keine Springquelle geben kann. Überdiesi, wenn auch
die artesische Brunnenbohrerey Puncte der Versagung zeigt, so darf
dieses Extrem nicht gegen die Sache im Allgemeinen sprechen. Thatsache
ist: Daß Wasser genug im Schooße der Erde quillt, um es auch auf
Landwirthschaft anzuwenden; daß durch a. B. diese unterirdischen Ge-
wässer oft mit kleinen Kosten zu Tage gefördert werden können; daß
diese zu Tage geförderten Wässer zur Überrieselnng der Erdflachenl ange-
wendet, überall den reichsten Graswuchs in größter Trockenheit, in allen
Ortlichkeiten und Climaten hervorrufen. Wien's Umgegend, wo die
a. B. schon seit mehr als .30 Jahren häufiger eingeführt worden sind,
als irgendwo, hat im Frühjahre 1834 einen Zuwachs zur schon vorhan-
denen großen Anzahl derselben gewonnen, der durch den Reichthum an
Wasser und durch seine Quellkraft alle seine Vorganger weit, ja den
reichsten derselben beynahe dreymahl übertrifft. Diese Springquelle wurde
durch das gewöhnliche einfache Verfahren in O ber-D öbl ing ausge-
führt. Die ganze Tiefe des Brunnens betragt !20 Fuß, wobey 30 Fuß
gegraben und 90 Fuß gebohrt sind. Nach der Dammerde und dem
Schotter folgte sogleich der Thon, und in demselben wurde fortgebohrt,
bis,,hie Quelle, ohne bemerkbare Verhärtung desselben, als ohne Durch,
brechung einer sogenannten Schieferplatte erreicht wurde, und mit fürch-
terlicher Gewalt emporstieg. Die Quelle trieb das Wasser in einem höl-
zernen Ständer von 3 Zoll Öffnung 20 Fuß hoch über den Grund em-
por. Aus dem gewöhnlichen Auslaufrohre, welches 5H Fuß über den
Boden erhoben ist, stießen in jeder Minute beynahe 3 Eimer Wasser,
oder genauer in 24 Stunden 4,225 Eimer. Das Wasser ist gutes wei-
ches Trinkwasser; denn es enthalt im Wiener Civilpfunde nur 7 Gran
sirer Bestandtheile aus Schwefelsäure, Salzsaure und Kohlensäure, an
Natron, Kalk und eine Spur von Eisen gebunden. Mit dem Quell-
wasser vom hohen Markte verglichen, enrhält es in jedem Pfunde nur
einen Gran weniger sire Theile. Die Temperatur dieses Wassers ist un-
veränderlich 9i" Reaumur, mithin um Iß" N. hoher als die mittlere
Lufttemperatur in Wien. Bey einem so reichen Brunnen kann man die
Wafferremperatur jener der Erdrinde in der Tiefe des Brunnens gleich-
setzen, und daher annehmen, es herrsche in der Tiefe von 120 Fuß eine
Temperatur, welche um 42° höher ist, als die mittlere der Erdoberflä-
che, woraus dann folgt, daß die Warme von Außen nach Innen in einer
Tiefe von 80 Fuß um 1" R. zunimmt. Es ist merkwürdig, daß alle
wasserreichen Bohrbrunnen um Wien zu demselben Resultate führen,
' und daß verlaßliche Beobachtungen in Frankreich, England und Rußland
dieselbe Große geben. Es hat demnach in einer Tiefe von 960 Klafter
das Wasser schon eine Temperatur von 80" R., und es bedürfte daselbst
keiner künstlichen Erhitzung mehr, um Fleisch weich zu kochen. In einer
Tiefe von 7,000 Klafter muß schon starke Glühhitze herrschen. — Die
a. B. wurden bis Anfang 1836 in den Umgebungen Wien's bis auf70
vermehrt, und zwar im Markte Brun n am Gebirge allein mit 9,
worunter 3 Springquellen, wovon eine in 24 Stunden 403 Eimer gutes
Trinkwassergibt; zu Perch toldsdorf 4 Springquellen, wovon eine
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie