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V a u m w o l l s p i nne r ey. 361
Theater war in ungewöhnlichem Grade gefüllt. Das Stück entsprach
jedoch in keiner Hinsicht; es mangelte ihm an Haltung/ Characteristik,
Handlung und Zusammenhang, und wimmelte von Persönlichkeiten
und Anspielungen auf literarische und journalistische Verhältnisse, die
auch durchaus zu nahe lagen, als daß sie nicht von dem empfänglichen
Publicum aufgefaßt, und in letzterer Beziehung von dem größern
Theile nicht mißbilligend aufgenommen werden sollten. In Folge dieser
Erregung für und wider die Tendenz des Stückes, wurde dasselbe von
der einsichtsvollen Direction des Hoftheaters nach einmahliger Auffüh-
rung mit Recht bey Seite gelegt. Sowohl die Wahl des Stückes, als
auch jede Verwendung bleibt immer entschieden zu tadeln, und es ist
nur zu hoffen, daß B. in künftigen bessern Leistungen, die der hämi-
schen Polemik des Tages fremd bleiben, diesen Flecken seines sonst acht-
baren literarischen Strebens verwischen werde. Das von B. Anfangs
1835 im Theater in der Iosephstadt aufgeführte Zäubermahrchen: For-
tunat, ein, obschon in der Form verfehltes, doch echt poetisches Pro-
duct, konnte sich auch nicht auf der Bühne erhalten. B. ist thätiger
Mitarbeiter anKalt en^ b aeck's ö'sterr. Zeitschrift, aus der sein Aufsatz:
Die schöne Literatur in Osterreich, besonders abgedruckt erschien (Wien
1835).
* Vaumwollspinnerey. Wenn auch die zu Anfang dieses Jahr-
hunderts in Böhmen beschäftigt gewesenen 40,0l)0 Handspinner gegen-
wärtig bis auf höchstens 2,000 Personen herabgesunken sind, die noch
bey dieser Beschäftigung mehr durch den Haus - als Fabriksbedarf eini-
gen Erwerb sinden, weil hier die Handspinnerey nie die Leistungen der
Maschine, weder in der Quantität, noch in der Beschaffenheit der Er-
zeugnisse zu erreichen vermag, so hat doch im Verhältniß zu der so au-
ßerordentlich gestiegenen Production die Zahl der sämmtlichen Arbeiter
in Baumwollenwaaren, trotz des bedeutenden Maschinenwesens, un-
gemein zugenommen. Die Maschinenspinnerey hat dagegen, wenn
auch nicht ohne beträchtliche Opfer, doch mit einem erst in neuerer Zeit
sich mehr verwirklichenden glücklichen Erfolge, eine Ausbreitung er-
langt, die dem großen Umfange derselben im Königreiche Sachsen we-
nigstens gleichkömmt, und daher fortwahrend auf eine erfreuliche Weise
zunimmt. Sie leistet mit dem vierten Theil der frühern Handarbeiter
wenigstens 150 Mahl mehr; eine Behauptung, die um so weniger an-
gefochten werden wird, wenn man erwagt, daß die in Manchester
mit Baumwollspinnen beschäftigten 30,000 Menschen in Verbindung
mit den Maschinen die Arbeit von 5ß Millionen Menschen repräsentiren.
Außer mehreren noch in der Einrichtung begriffenen Maschinenspinne-
reyen, sind in Böhmen bereits 83 derley Etablissements, am zahlreich-
sten im Bunzlauer Kreise, im Gange, mit wenigstens 350,000 Spin-
deln, die im Durchschnitts-Nr. 30 jährlich zwischen 30—85,000 Ctr.
Garn, meist Mulle (oder Schußgarn) nach gegenwärtigen Preisen im
Werthe von 7,300,000 Gulden erzeugen. In Hinsicht der Spindel-
zahl und der Quantität der Erzeugnisse ist das erste dieser Etablissements
die Spinnerey von Kästner und Richter zu Leibitschgrund.
Diesem zur Seite stehen die großen Manufacturen H a n k e und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie