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376 Böheim. — Böhmische Edelsteine.
Er hatte treffliche Naturgaben durch sorgfältiges Studium ausgebildet;
er besaß eine wohltönende Stimme, eine angenehme Declamation und
eine ausdrucksvolle Mimik. Sein Spiel war ungekünstelt; nur im ho-
hen Tragischen überschritt er vielleicht die Linie des Wahren. Er war
lang im Besitz der Liedhaber-Rollen. Er spielte St. Albin im „Haus-
vater," Aroiano in der „Melanide" und den Fürsten im „Edelknaben"
vortrefflich. Er starb den 13. Iuly 1793 zu Man heim. Seine letzte
Rolle war der Graf von Cleoe, in „Otto der Schütz."
* Böheim, Ferd. Carl, starb den30.May 1335zu Wien er-
Neustadt.
Böhm, Amadeus Wenzel, Kupferstecher, geboren zu Prag
1769, kam unter ungünstigen Iugendoerhältnissen nach Wien, hatte
aber dort das Glück, die Bekanntschaft des rühmlich bekannten Kupfer-
stechers Kohl zu machen, unter dessen Leitung er sich bald so ausbildete,
daß er diesem würdigen Künstler als Gehülfe zur Seite stehen konnte.
Er stach mehrere Platten zu Spalart's Costumen und erhielt spater
durch den Hofkupferstecher Schulz in Dresden mehrere Aufträge
für B ecker's Antiken -Werk, worin sich jedoch nur 3 Blätter von ihm
befinden. Zu dieser Zeit stach er auch sein vorzügliches Blatt, den Pau-
lus, nach Screta, in der Dresdener Gallerie. 1?97 reiste er nach
Leipzig, wo er zuerst nach H. V. Schnorr's Zeichnung das Titel-
kupfer zur „Pfarrerstochter z-u Taubenheim" stach, ein in guten Abdrü-
cken äußerst seltenes Blatt. Vorzüglich sind auch seine Porträte des Kö-
nigs und der Königinn von Dänemark, nach Gr öger's Gemälden. B.
mußte leider sein Talent an Buchhändler-Arbeiten verschwenden. Seine
Werke belaufen sich auf 200 Stücke, welche Taschenbücher (die Miner-
va / Taschenbuch zum geselligen Vergnügen u. a.) zieren. Zwey herrliche
Blätter sind die Titelkupfer zur Göschen'schen Prachtausgabe des
Griesb ach'schen neuen Testamentes, und außer den oben angeführten
noch die Madonna nach Guido Reni, und Klopsto ck's Portrat.
B. war ein guter Zeichner, und brachte die Radirnadel mit dem Grab-
stichel in eine glückliche Verbindung. Überdieß war er ein Mann von ge-
diegenem Charakter und eines der würdigsten Mitglieder der Akademie
der Künste zu Leipzig, wo er 1323 starb.
* Böhm, Ios. Daniel, ist gegenwärtig auch Director der k.k.
Münzgraveur-Akademie in Wien. Merkwürdig ist seine Sammlung
von alterthümlichen und neuern Kunstwerken. Sie besteht aus einer bedeu-
tenden Anzahl ägyptischer, griechischer, römischer und byzantinischer Alter-
thümer; aus neueren Bildhauer-Arbeiten und Schnitzwerken, worunter
viele außerordentliche Elfenbein-Arbeiten, und 2 kleinen hölzernen Köpfen
von hinreißendem Effecte (ohne Zweifel von Holbein); aus einer an-
sehnlichen Reihe von Handzeichnungen Naphael's, D ü r-e r's :c., von
Kupferstichen, unter denen viele seltene Marc-Anton's; von Gemäl-
den, vornehmlich aus der deutschen und italienischen Schule u. s. w. In
dieser Sammlung befindet sich auch eine Menge pompejischer und hercu-
lanischer Vasen.
Böhmische Edelsteine. Unter mehreren Sorten von Edelstei-
nen, die in Böhmen gefunden werden, als: Rubinen, Achaten, Ame-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie