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Braun, pet. Freyh. v. 381
Wirksamkeit begriffen, nur hat die von Oberösterreich, obschon seit 6
Jahren wieder im Steigen, noch nicht jene Höhe erreicht/ auf welcher
sie 1325 stand; große Feuerschaden, zum Theile Localverhältnisse, und
die Anlockungen von speculativen Gesellschaften verminderten durch eini-
ge Jahre nicht nur ihr Vorwärtsschreiten, sondern auch die Masse des
assecurirten Häuferwerths, doch die Wahrheit siegte nun allmählich wie-
der bey dem gesunden Menschenverstände und"sie hat sich bereits wieder
seit ihrem Sinken allmählich um 4,000,000 Häuserwerth gehoben.
Der gegenwärtige Stand dieser wechselseitigen Affecuranz - Anstalten
versichert somit gegenwärtig einen Hauserclassenwerth von beynahe
IlO/000,000 Gulden C. M. / und es ist gewiß, daß mit segenreichstem
Erfolg bey übrigens rastloser Befolgung der bestehenden vortrefflichen
Baugesetze, bey möglichst thätigster Durchführung der Feuerpolizey-
Vorschriften diese herrlichen Einrichtungen immer mehr aufblühen und
erstarken werden / daß dadurch die Prämie unendlich minder, folglich
der jährliche Beytrag ohne Beschwerde jedes Feuerunglück entschädigen,
und das so lästige Brandsammeln ganz erlöschen werde, endlich, daß
der edle Zweck dieser Gesellschaften gegenüber den speculativen, welche
außer der Entschädigung sich auch noch die Percente ihrer Actien bezah-
len lassen, in der Wahrheit und Wirkung den vollkommensten Sieg
der Menschlichkeit feyern werde.
* B raun , pet. Freyh. v. Der herrliche Park zu Schon au
mit feinen phantasiereichen Eigenthümlichkeiten hatte seine Entstehung
ganz den eigenen Ideen B.'s zu verdanken; er entwarf, ordnete und
leitete das Ganze. Besonders war der zauberische Tempel der Nacht
sein Lieblingswerk, welcher auch wirklich mit seiner geschmackvollen idea-
len Einrichtung, dem gelungenen Bilde einer schonen Sommernacht
mit der geheimnißoollen Göttinn derselben jedem gefühlvollen Beschauer
einen unauslöschlichen Eindruck hinterließ, der durch die wehmüthig
süßen Harmonicaklange nicht wenig erhöht wurde, welche mehrfach vom
Echo in dem akustisch gebauten Tempel wiederklingend, die nächtliche
Stille zauberisch belebten. Die sämmtlichen Inschriften, in den/ und
auf dem abenteuerlichen Wege zum Tempel der Nacht waren von Kotze-
bue, ihrer Stelle angemessen/ erdacht. Unter den übrigen Sehens-
würdigkeiten des Parkes, deren man fast bey jedem Schritte fand/
sind noch auszuzeichnen: Das bis ins Kleine characteristische Fischerhaus,
das wunderliche chinesische Glockenspiel, der Biberteich, die schwankende
Brücke, die schöne Insel mit malerischen Aussichten und dem sinnigen
Monumente Alr inger 's, welcher B.'s persönlicher Freund war, das
Lusthaus, von dessen Gallerie man eine ziemlich weite Aussicht genießt/
die kühne Bogenbrücke über die Bucht des ziemlich großen Sees, Spiel-
plätze zu gymnastischen Übungen :c. So lange B. lebte, war der Park
täglich, der Tempel der Nacht aber, da dessen gehörige Darstellung
einige Vorbereitung erforderte, jeden Montag dem Publicum geöff-
net; nach dessen Tode wurde von folgenden Besitzern der schöne Park
einige Zeit der Öffentlichkeit entzogen. Unter dem fürstl. Liechten-
stein'schen Besitz steht der Park Jedermann zum Genusse offen und
wird fortan erhalten und cultivirt.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie