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Ferdinand I., Raiser von Oesterreich. 435
deutigste Weise an den Tag legte, geleistet wurde. Trotz der großen
Volksmenge waren bey dieser Gelegenheit die Anstalten so umsichtsvoll
getroffen, daß sich auch nicht der geringste Unfall ereignete, welcher
die erhabene Feyer des Festes hätte stören können. Dem Beyspiele
seines verklärten Vaters getreu, ließ der Kaiser die hierbey früher übli-
che Ceremonie der Vertheilung von Wein, Fleisch und Brod, sowie
das Auswerfen von Gedächtnißmünzen ebenfalls nicht in Vollzug brin-
gn, und widmete die dafür bestimmte Summe wohlthätigen Zwecken.
An die Beamten der Dicasterien, dem k. k. Militär :c. in Wien
wurden indessen die üblichen goldenen und silbernen Gedenkmünzen aus-
getheilt. — Die im September und October 1335 Statt gehabte,
schon durch Kaiser Franz angeordnete, und durch Kaiser Ferdi-
nand vorzüglich begünstigte erste osterr. Gewerbs-Producten-Ausstel-
lung hatte sich dessen besonderer Aufmerksamkeit zu erfreuen, er besuchte
sie als Kenner mehrere Mahle, und unterhielt sich mit den Committen-
ten derselben, welche ihre Producte dazu geliefert hatten, auf das
freundlichste und herablassendste, sowie der Monarch auch unmittelbar
an der Vertheilung der werrhvollen, eigens für diesen Zweck geprägten
goldenen, silbernen und bronzenen Medaillen Theilnahm. — Den2. Sept.
reiste derKaiser in Begleitung der Kaiserinn nach Böhmen ab, undzwar
über Budwe is , K l a t t a u und P i l sen , dann Mar i enbad ,
Eger, Franz ensbad, E lbogen, Saaz undBrüx, wo, wie
in allen andern Orten der Reiseroute, das Herrscherpaar auf das freudig-
ste und feyerlichste empfangen wurde, nach Teplitz. Daselbst den 19.
Sept. angelangt, empfing der Kaiser den 20. schon den Besuch des Königs
von Sachsen, später der Prinzen von Preußen und Sachsen und den 26.
erfolgte jener des Kaisers von Rußland und des Königs von Preußen.
Den 29. Sept. hatte die feyerliche Grundsteinlegung des schon langer
projectirten Denkmals zum Gedächtniß an das glorreiche Gefecht Statt,
in welchem eine Abtheilung der russischen Garde den 29. Aug. 1813
bey Priesten einem mehr als viermahl überlegenen Feinde tapfern Wider-
stand leistete, und durch diese Waffenthat die am folgenden Tage sieg-
reicherfochtene Schlacht bey Ku lm vorbereitete. Außer den drey Herrs
schern von Osterreich, Rußland und Preußen wohnte eine Menge hoher
Personen nebst einer zahllosen Menschenmenge diesem erhebenden Feste
bey. Nach einem Aufenthalte von 4 Tagen begaben sich die Monarchen
nach Prag, wo ebenfalls der feyerlichste Empfang und verschiedene Fest-
lichkeiten Statt hatten. Von da aus kehrten der Kaiser von Rußland
und der König von Preußen, nachdem Ersterer noch einen kurzen Be-
such bey der Kaiserinn-Mutter in W ien im strengsten Incognito ge-
macht, und daselbst die Ruhestatte des Kaisers Franz in der Gruft
bey den Kapuzinern besucht hatte, wieder in ihre Staaten zurück.
Kaiser F er di na n d aber verließ den 13. Oct. P r a g , und traf am
15. über I g l a u und Znaym tyit der Kaiserinn wieder in Wien
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie