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* Flachs. Der in Böhmen betriebene Anbau dei F.es und
seine Vorbereitung durch die k. k. patriotisch-ökonomische Gesellschaft be-
reits 1321 einer eigenen populären und umsichtigen gedruckten Beleh-
rung unterzogen, wird in allen Gegenden des Landes/ am stärksten
a?er in den gebirgigen Gränzdistricten betrieben, jedoch im Verhaltnisse
zur Area nicht in jener Ausdehnung, wie in Schlesien und Westphalen,
denen aber der bödm. F. an schöner Farbe, mildem Anfühlen und
Güte des Fadens nicht nachsteht. Die Bemühungen, um seine Cultur
nach niederländ. Art, welche vor mehreren Jahren auf kaiserl. Anord-
nung in einigen Gegenden zur Belehrung des Publicums versucht
wurde, sind nicht ohne Erfolg geblieben, der sich aber doch mehr in der
Quantität als der Qualität äußerte, und mit der technischen Gestaltung
der Linnenerzeugung gleichen Schritt hielt. Wie nun aber auch diese
selbst in ihrer größten Glanzperiode mehr theilnehmend an der großen
sch'esischen Industrie als selbstständig auftrat, mehr folgte als leitete,
so blieb auch die Cultur des Rohstoffes immer gegen jene des Auslandes
eine untergeordnete, und um so schwerer für Verbesserungen zugänglich,
als sie sich nicht in den Händen der großen Okonomiebefitzer, sondern der
ebenso zahlreichen, als für Belehrung unempfänglichen kleinen Hausler be-
fand und noch befindet; einer Menschenclaffe von beschrankten Begriffen
und jedem Abweichen von den Gewohnheitendes Großvaters abgeneigt.
Da mm diese Anbauer des F.es ihn auch meist bis zum Spinnen vor-
, bereiteten, so ist leicht zu erachten, daß auch das Rosten, wodurch die
parenchymatösen Stoffe von den zum Spinnen tauglichen Fasern ge-
trennt werden, im Ganzen viel zu wünschen übrig läßt. Der ausge-
breitete Flachsbau des Riesengebirges befindet sich auf einer viel Höberen
Stufe als im übrigen Lande, wie dieses auch die hohe Vollkommenheit
der Leinwanden dieser Gegenden beweist. Sachkenner schätzen die Quan-
tität des in Böhmen jährlich erzeugten F.es gegenwärtig noch immerauf
120,000 Ctr., der aber bey weitem nicht hmreicht, den Manufactur-
bedarf zu decken, für welchen noch wenigstens 100,000 Ctr. aus den übri-
gen Provinzen der Monarchie, nahmentlich aus Ungarn und Mätzren
zugeführt werden müssen.
Floridsdorf (im gemeinen Leben „amSpitz" genannt), nieder-
österr. Dorf im V. U. M. B. , eine Stunde außer der Taborlinie
Wien's, hat 760 Einw., viele Gewerbe, nette Häuser, und des
Straßenzuges nach Böhmen und Mahren wegen große Lebhaftigkeit.
Der Ort ist jedoch den Überschwemmungen der Donau sehr ausgesetzt.
* Frankl, Ludw. August. 1ä36 erschien von ihm: Christo-
foro Colombo, romant. Gedicht (Stuttgart); eine Leistung von Beruf.
F. erhielt von der Scaht Genua unterm 29. Aug. 1326 wegen der
Verherrlichung ihres großen Sohnes ein diese Dichtung würdigendes
Dankschreiben. Der König von Sardinien, Carl Albert , ließ dem
Verfasser für die Widmung dieses Gedichts eine mit dem königl. Nah-
menszuge und der Krone in Brillanten gezierte werthvoUe goldene Dose
durch den Staatssekretär des Auswärtigen zustellen. — Ferner gab F.
1326 heraus: Parisina, aus dem Englischen des Byron (Wien).
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie