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460 Gold- untz Silber Galanterie-Arbeiten.
Silberdraht, der daselbst von vorzüglicher Güte erzeugt wird In B re-
scia werden sehr schöne Kettchen aufVenetianerart, dann die sogenann-
ten miÄl-ini verfertigt. Venedig steht im österr. Italien in eigentli-
chen Goldarbeiten noch immer obenan, indessen zählte es vor Kurzem
nur noch 46 Goldarbeiter, während in früheren Zeiten hier mehrere
hundert ansäßig gewesen seyn sollen. Die einst so berühmten Venetianer
Ketten, welche indessen noch heut zu HMe nicht alle Gunst verloren ha-
ben, bilden noch immer einen bedeutenden Fabrikationszweig. Diese Ket,
ten bestehen beynahe aus ganz reinem Golde, mit sehr geringem Zusa;
he (0,906), und dtese Feinheit muß jede in der Stadt Venedig selbst
gearbeitete Kette haben; die Goldarbeiter der Terra fevma aber sind
nicht an diese Vorschrift gebunden und. können hierzu auch stärker le-
girces Gold verwenden..Die Fabrik von Stephan Arno geHort zU
den vorzüglichsten und liefert Ketten der verschiedensten Art. Andepe
Gold- und Silberwaaren, Geräthe und Galanterie-Gegenstände^lveri
den im Venetianischen in großer Menge und von vorzüglicher Güte vM
fertigt; in Silberarbeiten zeichnen sich besonders Vicenza und Pä-
dua aus. — Prag behauptet in G.- u. S,-G.-A. ebenfalls einen
großen Vorzug und liefert die mannigfaltigsten Gegenstände von ausge-
zeichneter Schönheit und Qualität. — In Galizien, wo die Melallfa,
brikation überhaupt im Vergleiche mit andern Ländern der Monarchie
noch ron geringer Ausdehnung ist, verfertigen bloß Juden zu Rzeszow
Galanteriewaaren aus einer schlechten Legirung von Kupfer ünd
Gold (Ioujougold), und treiben damit ein^n ziemlich weit verbreiteten
Absatz im In- und Auslande. Auch in Wien treiben sie zur Marktzeit
Handel mit diesen Gegenständen in eigenen Ständchen. — In mehre-
ren Städten Ungarns gibt es viele geschickte Gold- und Silberardeiter>
besonders aber in P esth, wo Galanteriewaaren von der vorzüglichsten
Are erzeugt werden. In den übrigen Ländern, einige ^rovinzial-Hauptc
städte ausgenommen, ist die Fabrikation von Galanterie-, Gold- und
Silberwaaren von geringer Bedeutung, um so mehr, da die Wienerv
Mailänder, Venetianer und Prager Erzeugnisse so großen Ruf geni.es
ßett, daß man den Bedarf größtentheils aus diesen Städten beziehe-^
Der Handel mit Gold- und Silberwaaren ist zum Theile beschränkt und
wird nicht Jedermann gestattet. Nur dazu privilegirte Gold-und Sil-
berarbeiter, Drahtzieher, Posamentirer dürfen, in Beziehung auf ihre
eigenen Artikel, in den deutschen Erbländern mit Erzeugnissen dieser
Art Handel treiben; die Ausfuhr ist ganz verbothen, so wie auch die
Einfuhr solcher Waaren, welche nicht probehältig sind. Silberw^arcn
dürfen nur in der Feinheit von 13—15 Loth verkauft werden, oder sie
erliegen der Confiscationsstrafe. Der Absatz hat in der letzten Zeit zwar
abgenommen, dürfte jedoch noch immer bedeutend genannt werden.
Wien und Venedig machen die meisten Versendungen dieser Art,
besonders Wien, welches seine schönen Arbeiten nach allen Provinzen
der Monarchie verschickt. Matt gearbeitete Waaren werden vorzüglich in
Ungarn gesucht; in Galizien herrscht der entgegengesetzte Geschmack; in
Ungarn verlangt man alles massiv, in Galizien mehr nach französischer
Art. In Italien und den übrigen Provinzen wird wenig in Gold,'etwas
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie