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^ g , Herz, k. k. Schulrath, vormahliger Oberaufseher
der deutsch-jüdischen Schulen in Galizien, außerordentl. Lehrer der re-
ligiösen Moral für Israeliten in Prag, Inhaber der großen goldenen
Ehrenmedaille, der Nestor der ästerr. israelit. Gelehrten, ist im Sept.
1749 in dem Dörfchen Lieben beyPrag geboren. Erzeigte schonfrüh-
zeitig Spuren ausgezeichneter Geistesgaben und wurde daher von seinen
Ältern, die bereits in seinem 7. Jahre nach Prag übersiedelten, zum
Studium des unfruchtbaren doch Scharfsinn erweckenden Talmuds be-
stimmt. Noch lag seine Nation in tiefer Nacht, politisch und geistig er-
starrt. Auf den rabbinischen hohen Schulen Prag's, Preßburg's
und Groß-Glogau's, die er 1772 besuchte, übte er nur jüdische
Dogmatik und Dialektik, und nur mühsam erhielt der schonBesseres ah-
nende Jüngling einigen dürftigen Unterricht in der deutschen Sprach-
lehre; erst als er von Glogau nach Breslau, und von dort nach
Ber l in kam, gelang es ihm, lateinische Grammatik und Mathematik
zu studiren. Von Berl in begab er sich nach Hamburg, und wurde
durch Rousseau's Emil bestimmt, sich der Pädagogik zu widmen.
Welche raschen Fortschritte er darin gemacht, beurkundet am kraftigsten,
daß er bald nach seiner Zurückkunft nach Berl in in das Haus des be-
rühmten Mendelssohn als Erzieher aufgenommen wurde. Als Lehrer
des ältesten Sohnes dieses Weltweisen wurde er Schüler des Vaters,
dessen Gunst und Freundschaft ihm bis zu dessen Tode blieb. Nach Io«
seph's II . Thronbesteigung und dem Töleranzedicte dieses Unvergeßli-
chen kehrte H. wieder in sein Vaterland zurück, und wurde 1784 zum
k. k. Oberaufseher der gesammten deutschen Schulen der Israeliten in
Galizien und Lodomerien ernannt. 1793 erhielt er von Kaiser Franz
einen Ruf nach Wien, zur Ausarbeitung des 1797 erschienenen, die
moralische und politische Verfassung der Israeliten, als vorbereitende
Maßregel künftiger Gleichstellung bezweckenden Iudensystems. Es wurde
ihm dafür die große goldene Ehrenmedaille. 1806 wurden die jüdischen
Normalschulen Galiziens theils aufgehoben, theils unter allgemeine Lei-
tung der übrigen Landesschulen gesetzt, da der Erfolg nicht wie in Böh-
men den früheren Erwartungen entsprach. H. privatisine nun in Wien,
wo.er theils als Censor, theils durch schriftstellerische Arbeiten, besonders
durch die von derk. k. Studien-Hofcommission ihm aufgetragenen Ausar»
beitungen moralisch-religiöser Lesebücher, für seine Glaubensgenossen
nützlich wirkte. 1813 erhielt er mit dem Titel eines k. k. Schulrathes die
Ernennung zum außerordentl. Lehrer der religiösen Moral für die israe-
Mischen Gymnasialschüler und für die israelit. Lehrcandidaten in Prag,
wo er noch. jetzt trotz seines hohen Greisenalters unermüdlich thatig ist.
Im Drucke ist von ihm erschienen: Commentar zum 5. Buche Moses,
für die Mendelssohn'sche Übersetzung, Berlin 1783. — Vertheidigung
der jüdischen Nation gegen die in den Provinzialblattern enthaltenen
Angüsse, Görz 1783. — Sendschreiben an die Rabbiner und jüdischen
Gemeindevorsteher in Galizien; hebräisch und deutsch, Lemberg 1738.
— Über die moralische und politische Verbesserung der Israeliten in
Böhmen (m Hufnagel's Journal, Frankfurt a. M. 1796).—Zwölf
Fragen vom Minister des Innern in Frankreich, der israelit. Deputa-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie