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H u n y a d , L a d i s l a u s .
tete Graf C i l l y ihm hinterlistig eine Falle, beredete den König, daß
H. von Ehrgeiz getrieben, nach Ungarns Krone strebe, und mit den
Türken in geheimem Bunde stehe, fiö'ßte ihm Haß und Abneigung gegen
den verdienten Feldherrn Ungarns ein, lud ihn daher nach Wien,
und als H. nur in seinem Vaterlande dem Könige wegen seines Betra-
gens zur Rede stehen wollte, nach Kittsee zu einer freundschaftlichen
Unterredung. Hier sollte H. gemordet werden. Doch er erschien be-
waffnet, weigerte sich in das Schloß zu kommen, enthüllte den schwar-
zen Plan des Feindes, warf im gerechten Zorn ihm seine Niedertrach«
tigkeit vor, schonte jedoch in Rücksicht des Königs seines Lebens, und
sprengte unmuthig nach Ungarn zurück (1455). Noch einmahl bewahrte
H. durch den muthigen und bis an das Unglaubliche gränzenden Entsatz
Belgrad's, nach dessen Besitze der Sultan vor allem begierig war, seine
Treue; er glaubte, nach der geschwächten türkischen Macht, sich im
Stande, die Türken mit einem Kreuzheer aus ganz Europa zu vertrei-
ben, und forderte seinen König auf, die ganze Heeresmacht des Reichs
zu sammeln. Da überraschte ihn der Tod in seinem 64. Jahre zu Sem-
l in (1ä. August 1456), und fein Gegner, Graf C i l l y frohlockte,
während alles in Ungarn den Verlust des großen Helden beweinte, allein
über den Fall seines bis in den Tod gehaßten Feindes.
. Hunyad, Ladis laus, älterer Sohn des Vorigen, von Elic
sabeth Sz i l ägy i , ein blühender Jüngling voll Kraft und Muth,
ward von dem Vater nach der Schlacht bey Cofsovo (Amselfeld) als
Geißel an den servischen Despoten, Georg Brankov ics , ausge-
liefert, und sollte nach geschlossenem Vergleiche mit einer Enkelinn dessel-
ben, Elisabeth v. C i l l y , vermahlt werden. 1443 ehrenvoll ent«
lassen, stand er dem thatigen Vater als Ban von Croatien und Sla-
vonien in der Bezwingung des böhm. Anführers I oh . G is kra (1453)
bey, und erbte nach den! Tode seines Vaters dessen Würden. Mit dem
tödtlichsten Hasse des Grafen C i l l y verfolgt, ließ er sich durch eine
Scheinversöhnung blenden; der König LadislausPosthumus lud ihn
zur Besichtigung der Feste Belgrad ein, und H. entdeckte hier die Treu-
losigkeit des Grafen in einem aufgefangenen Briefe desselben an seinen
Schwiegervater Georg Brankov ics , nach welchem das Geschlecht
der H. ausgerottet werden und Graf C i l l y in Kurzem das Vergnügen
haben sollte, dem alten Despoten 2 Kugeln zum Ballspiel, worunter er
.die Köpfe der beyden H. verstand, zu übersenden. Aufgebracht, ließ
Ladislaus H. den Treulosen, der mit dem König in die Messe
gegangen war, zu sich bitten, warf ihm seinen ungezähmten Haß vor,
überhäufte ihn mit Schmähungen und zog den Säbel. Graf Ci l ly that
das Gleiche und verwundete seinen Gegner. Auf das hierüber erfolgte
Geschrey eilte die Dienerschaft desLadislaus H. herbey, und tödtete den
Grafen mit vielen Stichen (12. Nov. 1456). Zwar äußerst bestürzt über
den Mord seines Verwandten, ließ sich'der König doch endlich beruhi-
gen, zumahl da H.'s Freunde ihm dessen durch des Grafen Angriff er-
zwungene Gegenwehr vorstellten. Er reiste mit H. nach Tem esvär,
und gab dessen Mutter die eidliche Versicherung, den Tod des Grafen
nie an den H. zu ahnden. Die Witwe und die Söhne Ioh . H.'s wurden mit
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie