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Aolowrat, Franz Ant. Graf v. — Roltschiyky. 517
resien« Ordens, Großkreuz des königl. französ.Drdens der Ehrenlegion,
k. k. geh. Rath, Feldzeugmeister, 2. Inhaber des Infanterie-Regi-
ments Nr. 11, Capitän der k. k. Trabanten-Leibgarde und Hofburg-
wache, Großprior des Iohanniter-Ordens durch Böhmen, Mähren,
Schlesien, österreich, Steyermark, Karnthen und Kram, bevollmäch-
tigter Minister dieses Ordens am k. k. österr. Hofe und Comthur zu
Mailberg, starb zu Wien den 7. Dec. 1824.
* Rolowrat- Liebsteinsky, Franz Ant. Graf v., ward
1836 Ehrenmitglied der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien.
Roltschiyky, Georg Franz, war um 1y40zuWien gebo-
ren. In der angstvollen Lage Wien's, während der türkischen Belage-
rung 1633, trat ein Mann auf, der sich zu dem Wagestücke entschloß,
den Herzog von Lothringen von der betrübten Lage der Stadt zu benach-
richtigen; dieser Mann war K., ein Bürger in der Leopoldstadt. Er
war einst Dolmetsch bey der orientalischen Compagnie gewesen, und
sowohl mit der Sprache als anderen Eigenheiten der Türken vertraut.
Die Nacht vom 13. auf den 14. August ward zur Ausführung bestimmt.
Der muthige K., in türkischer Tracht, schlich sich in Begleitung eines
verläßlichen Dieners, Nahmens Mihalovitsch, der gleichfalls tür,
klsch verstand, aus der Stadt durch das türkische Lager, und kam glück-
lich in dem kaiserlichen an. K. hatte verabredet, zum Zeichen seiner
wohlbehaltenen Ankunft ein großes Feuerwerk anzuzünden. Dieß geschah
auch in der Nacht darauf, und mit Entzücken nahm man in Wien vom
Stephansthurme aus, das Losungsfeuer zu Stammersdorf wahr.
Eben so glücklich kam K. mit seinem Begleiter am 17. August wieder zu
Hause an. Er brachte von dem Herzog von Lothringen ein Schreiben
mit trostreichem Inhalte. K.'s wohlbehaltene Rückkunft wurde um Mit-
tagszeit dem kaiserl. Heere der Verabredung gemäß durch eine dicke Rauch-
säule, und in der Nacht durch einige Raketen vom Stephansthurme aus
signalisirt. Gerne hätte der brave K. mit aller Herzhaftigkeit und Resig-
narion sich noch öfter zu solchen Expeditionen verwenden lassen, wäre er
nicht durch Verrath den Türken auf das kennbarste bezeichnet worden.
Inzwischen aber übernahm K.'s Diener, Mihalovitsch, seine Rolle.
Er gelangte ungefährdet noch zweymahl durch das türkische Lager, und
brachte den beängstigten Wienern die erfreuliche Bothschaft des heranna-
henden sicheren Entsatzes. Dieser erfolgte auch am 11. Sept. bekanntlich
durch einen so entscheidenden Sieg, daß die Türken mit Zurücklafsung
ibres ganzen Lagers die Flucht ergriffen. Unter andern fand man eine
ungeheure Menge Kaffeh, eine Frucht, die in Deutschland nur sehr
wenig bekannt war. K. erhielt zur Belohnung seines Muthes und des
großen Dienstes, welchen er der Stadt Wien und dem Vaterlande er-
wiesen hatte, die Erlaubniß zur Errichtung einer Kaffehschenke in
Wien. Der Magistrat räumte ihm ein Haus neben dem kleinen Bi-
schofhofe, welches das Schild zum rothen Kreuze hatte, dazu ein, und
so legte K. in Wien ein Kaffehhaus an, das sich bald eines blühenden
Zustandes erfreuen konnte. Später bezog K. ein Local im Schlofsergäß-
chen, rückwärts der blauen Flasche. K. war der erste Kaffehsieder in
Wien und überhaupt in Österreich.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie