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536 L. e i t h n e r.
selbst den holländischen Erzeugnissen dieser Art den Vorzug streitig mach-
ten, und die osterr. Monarchie für immer von dem Tribut befreyten, den
sie für diesen Artikel nach Holland bezahlt hatte. Wahrend der Dauer
dieses Commissions-Geschäfts wurde er 1786 zum Thesaurariatsrath und
nach der später erfolgten Auflösung des Thesaurariats 1787 zum sieben,
bürg. Oubernialrathe ernannt. Kaiser Joseph I I . erkannte die Ver-
dienste des thatigen L., und erhob ihn in den letzten Tagen seiner
Regierung in den Reichsadelstand. 179! verlieh ihm der Kaiser nach
dem Tode des rühmlichst bekannten Hofrathes v. B o r n (s. d.), dessen
erledigte Stelle bey der k. k. Hofkammer in Münz- und Bergwesen,
bey welcher er durch 15 Jahre die bedeutendsten Referate führte und zu
den wichtigsten Commissionen verwendet wurde. Er regulirte und ver-
besserte in dieser Periode das Salz-, Bergbau-, Sud- und Verschleiß-
wesen in Tyrol, das Bergwesen in Vorderösterreich, das Berg-, Hüt-
ten-, Forst- und WirthschaftSwesen lm oberungar. Bergdistricte zu
Schmölnitz, und jenes im niederungarischen zu Schemnitz. 1799
befahl der Kaiser, daß ihm auch das krainerische Bergwesen und die ära«
rialischen Fabriken und das Referat in Münzwesen übertragen werde,
da er sich durch die technischen, mercantilischen und staatswirthschaftlichen
Kenntnisse in diesem Fache einen großen Ruf verschafft hatte, den er
auch in der Folge durch seine äußerst thätige und einsichtsvolle Leitung
sowohl der eigentlichen Münz-Manipulation, als der ihm übertrage-
nen Operationen bewährte, welche das mercantilische Münzwesen und
den Geldumlauf betrafen. Die bemerkenswerthesten chemischen und tech,
nischen Erfindungen, welche er zum Behufe des Münzwosens machte,
sind die Ausscheidungen des Kupfers aus dem Kanonenmetalle durch einen
sehr einfachen Abdarrungsproceß, den man früher schon in Frankreich
lange vergebens versucht hatte, und dann in der Folge mit großem Nu-
tzen nachahmte; ferner die sehr wichtige Methode, eine Münzgattung nach
einem andern Münzfuße und Nennwerthe umzuprägen, ohne sie einzu-
schmelzen und die übrigen Münz-Manipulations-Arbeiten durchlaufen
zu lassen. (Bolton in England benutzte diese Erfindung später für die
Umpragung der Piaster in englische Münzen, und erhielt dafür eine
Belohnung von 10,000 Pfund Sterling.) Auch in dem ararischen Fa-
brikswesen erweiterte L. die bestehenden Einrichtungen. Auf seinen Vor-
schlag wurden die k. k. Salmiak-, Vitriolöhl- und chemischen Produc-
ten - Fabriken zu Nußdorf , und die mit Steinkohlen betriebene Glas-
fabrik zu Sagor in Unterkrain errichtet, und die Manipulation bey
der Messingfabrik zu Frauentha l in Steyermark zu einem Grade
von Vollkommenheit gebracht, wodurch sich die Erzeugung der Producte
auf das doppelte, und der reine Gewinn auf das dreyfache erhöhte. 1303
entstand der unglückliche Brand in der Grube zu I d r i a . L. wurde auf
Befehl alS Hofkammer-Commissär mit unbeschränkter Vollmacht dahin
gesendet, um die erforderlichen Maßregeln zur Rettung dieses Werkes
zu ergreifen. Hier zeigten sich seine ausgebreiteten Kenntnisse und seine
reichhaltigen Erfahrungen im schönsten Lichte, und wurden von dem
glücklichsten Erfolge gekrönt. Bey dem feindlichen Einfalle 1805 ver-
legte die montanistische Hofkammer ihren Sitz nach Neu sohl in Nie-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie