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5 l l M a n d e l . — M a n n h e i m e r . i
Mandel, David, in Par is . Ein Engländerberichtete zuerst im
Ne>v-Moinkly M a r i n o , über die Existenz eines gelehrten Son-
derlings aus Ungarn in Paris, und über seine Unterredung mit demsel-
ben , welche die französische lievue Li-itanni^ue im May 1327 wiedergab.
Franz v. Tessedik suchte den Sonderling mit großer Mühe in Pa-
ris auf, und fand ihn im Arsenalgebäude in einem, unter den Treppen
angebrachten engen, höchst armseligen Stübchen. Sein Äußeres war
im hohen Grade vernachlässigt; was Tessedik von ihm herausbringen
konnte, besteht darin, daß erIgnaz oder richtiger David Mandel
heiße, daß er etwa 2 Jahre lang in Preß bürg gewohnt, und in
Ber l i n 2 Jahre lang in die Schule gegangen. Er gab vor, feines
Geburtsortes nur "dunkel sich erinnern zu können, eben so auch seines
Zunahmens; man heiße ihn aber in Par is : Mandel. Er habe sein
Vaterland verlassen, um die Welt zu besehen. Französisch, deutsch,
lateinisch sprach er gut. Ungarisch konnte er nicht reden, er verstand aber
den Sprechenden. Des Persischen und Arabischen rühmre er sich ungleich
besser kundig zu seyn, als des Deutschen, ja sogar mit der Sanscrit-
sprache soll er sich viel beschäftigt haben. Auch das Russische war ihm be-
kannt; er sprach und schrieb es. Mit der Sternkunde befaßte er sich am
liebsten, und rechnete viel. In früheren Jahren verdiente er sich einiges
Geld durch Unterricht, den er im Arabischen gab; davon zog er 200
Franken Interesse aus dem Landesärarium, und lebte davon; sagte
aber, kaum 100 Franken jährlich verzehren zu können. Tessedik
hält ihn für einen Juden ausPreßbu rg. Jetzt mag er etwa 55 Jahre
alt seyn.
* Mannagetta'sche Sti f tung. In das Verzeichniß der bis
1335 zum Stiftungsgenusse berufenen und bis dahin nicht ausgestorbe«
nen Familien müssen noch folgende gezahlt werden: Die Grafen Assa-
ret to , die Haas v. Grünenwald , die Nachkommen deS Doctors
der Medicin und Chef-Arztes des Wiener Artillerie - Distrikts Franz
Mandel , die Freyh. v. Mayenberg, die Nachkommen der C ä-
cilia Sch o berlechn er, gedornen v. Mannaget ta, die Radin-
ger und Scharin ger.
Mannheimer, Isaak Noah, erster Religionslehrer und Pre-
diger am israelit. Bethhause zu Wien, ist den 17. Oct. 1793 in K o-
penhagen von jüdischen und unbemittelten Ältern geboren. Sein
Vater war Vorsänger an der dortigen Synagoge, und war trotz seiner
beschränkten Verhältnisse eifrig bemüht, den Knaben, der schon frühzei«
tig ungewöhnliche Geistesanlagen verrieth, eine wissenschaftliche Erzie-
hung zu gehen, die sich zuerst allerdings auf jüdische Gelehrsamkeit be-
schränkte. 1303 bezog er das dortige Gymnasium, die Metropolitan-
schule, von welcher er 1314 mit dem günstigsten Testimonium zur Uni-
versität überging. Er studirte mit allem Eifer die philosophischen Wissen-
schaften, und widmete sich bald der Theologie. 1816 ward er zum Religions-
lehrer der dortigen Gemeinde berufen, und gleich den christl. Geistlichen
mit dem Titel eines Katecheten vom Könige bestellt, in welchem Amte er
die von der Regierung angeordneten Confirmationen abzuhalten, und die
Jugend für dieselben vorzubereiten hatte. Schon bey der ersten Consir.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie