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552 Mattighofen. — Mayfest in Prag.
Franz Grafv. Kinsky, k. k. Feldmarschall-Lieutenant, der in dem
Knaben ein sich frühzeitig entwickelndes Talent erkannte, brachte ihn nach
Prag, wo er die Humanioren absolvirt und die französ. und ital.
Sprache sich eigen gemacht hatte. M. widmete sich dann ausschließlich
der Musik, wo er den Unterricht von Dussek erhielt, und unter S e-
gert den Contrapunct studirte. Der junge M. machte glanzende Fort-
schritte, und sein Spiel auf dem Pianoforte und auf der Harmonica,
wurde auf seinen Reisen mit dem günstigsten Beyfall aufgenommen.
1794 am 29. April wurde M. zum Musikdirector der Neustadter Pfarr-
kirche Maria. Schnee, und in demselben Jahre am 23. Dec. in die-
ser Eigenschaft an der Klei^seimer Hauptpfarrkirche St . Niclas
ernannt, wobey ihm auch das Kloster der Augustiner die Chor-Regen-
tenstelle ihrer Stiftskirche zum heil. Th om as übergeben hatte. 1829
ernannte ihn der Wiener Kirchenmusik-Verein bey Sr. Anna zum
corresoondirenden Ehrenmitglieds.
Mattighofen, oberösterr. Marktflecken von 860 Einw. im Inn-
lreise, ist ein uralter Ort, dessen Nahme Mathowe sogar auf die
Celten zurückführt. Urkundlich erscheint er schon 885. Die Stiftskirche
ist ein stattliches Gebäude. 1482 stifteten die Prüder Conrad und
Hans Küchler hier ein Collegiatstift für regulirte Chorrherren, seir
1635 Propstey.
* Mautern, steyermärk. Marktflecken im Brucker Kreise. Hier
befindet sich (seit 1827) ein Franciscanerkloster; dann eine Congregation
der Redemptoristen, welche gegenwärtig 36 Individuen zählt.
Mayfest in Prag. Im Monathe May wird in Prag seit 1807
auf dem Kleinseitner Friedhofe ein rührendes Fest begangen, welches den
Todten gewidmet, an sich das Gepräge heiligen Ernstes trägt und schon
vielfaltige Nachahmung fand. Der Gründer hievon ist der als Mensch
und Literat geschätzte Landschaftszeichner Wenceslaw Franz Wel-
leba (s. d.) Der anmuthige Frühling leitete Welle da bey feinen
Wanderungen über Graber zu diesem edlen Unternehmen, da ihm das
beginnende Erwachen der im Winter gleichsam erstorbenen Natur zu dem
tröstlichen Gedanken der Hoffnung unserer künftigen Auferstehung den
schönen Anlaß hierzu darboth; daher es auch das Mayfest oder die Auf-
erstehungsfeyer genannt wird. 18l7 schloß sich zur Verherrlichung dieses
erhabenen Festes die bürgert. Liebe - Versammlung des Kleinseitner hei-
ligen Feldes an, welche auch jedes Jahr dasselbe in schönster Ordnung
und mit möglichster Feyerlichkeit zur allgemeinen Auferbauung zu bege-
hen sich beeifert. Der Boden des Friedhofes gleicht an jenem Festtage
einem Blumengarten, worauf sich 2 passend geschmückte Altäre erHeden.
Eine Predigt öffnet den Eingang, worauf das Hochamt beginnt. Nach
diesen erhöht ein Fahnenzug das Feyerliche dieser Handlungen; 24 fest-
lich geschmückte Madchen streuen dabey Blumen unter Absingung des
von Welleba verfaßten Liedes: „Die Vlumenstreue auf die Gräber."
Hierauf wird dasTedeum angestimmt und der heil. Segen schließt. Eine
Declamation des Dankes an den den Umgang führenden Pomiftcanten,
von emem Mädchen im Kreise der bürgerl. Garde vorgetragen, krönt
das völlige Ende. Die Abhaltung der gottesdienstlichen Handlungen vcr-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie