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tz58 M i t t e r d o r f e r .
bindet, und nach der Angabe des dermahligen Provmzial-Oberbaudi-
rectors v. Kudr ia f fsky (s. d.) erbaut wurde, durch diese Actienge-
sellschaft und unter seiner eigenen Mitwirkung als Mitleiter deS Baues
in Ausführung zu bringen. Bald nach Vollendung dieser Brücke er-
schien seine wissenschaftliche Beschreibung der ersten Kettenbrücke inWien,
unter dem Titel: Die Sophienbrücke, Wien 1825, welche l330 mit
vielen Zusätzen über die physischen Eigenschaften und besonders der abso-
luten und relativen Starke des vaterländischen Eisens und Stahles in
höchst mühevollen Berechnungen, in einer 2. Aufiage erschien. 1823
gab er ein kleines Handbuch„der populären Mechanik (Wien) heraus,
welches, obschon es nur eine Übersetzung eines englischen Werkes ist, mit
so vielen Zusätzen bereichert und für unser vaterländisches Maß und Ge-
wicht eingerichtet wurde, daß es als österr. Originalwerk betrachtet wer-
den kann. In demselben Jahre kam auch auf seine Anregung eine zweyte
Kettenbrücke über die Donau, welche die innere Stadt mit der Leo-
poldstadt verbindet, nähmlich die Carlsbrücke (Canalbrücke) nächst dem
Fischerthore zu Stande, welche M. unter Mitwirkung seines jün-
geren Pruders Ferd. v. M . , Ingenieurs bey der k. k. niederosterr.
Oberbaudirection, nach seinem eigenen Plane und unter seiner
eigenen Leitung, ebenfalls mittelst einer Actiengesellschaft zur Aus-
führung brachte. Diese Brücke, deren Ketten aus steyermärkischem
Stahle verfertigt sind, zeichnet sich von allen bisher erbauten Ketten-
brücken sowohl durch das Materials ihrer Ketten, als durch ihre beson-
dere Leichtigkeit, verbunden mit hinlänglicher Stärke und durch einen
auffallend geringen Kostenaufwand aus. Auch über diesen Brückenbau
lieferte M. eine eben so instruktive als interessante technische Beschrei-
bung unter dem Titel: Die Carlsbrücke, Wien 1829. Außer den ange-
führten Schriften ist M. der Verfasser mehrerer hqchst wichtiger techni-
scher, wissenschaftlicher Aufsatze, welche inBaumgar tne r's Zeitschrift
für Physik enthalten sind. 1829 nahm M. auch Antheil an der Direc-
tion der ersten^von Franz Ant. Ritter v. Gerstner unternommenen
Eisenbahn in Osterreich, zwischen Linz und Budweis , und hat das
Verdienst, diese durch mancherley Mißgriffe schon sehr in Stockung ge-
rathene Unternehmung wieder zu einem gedeihlichen Fortgang ge-
bracht zu haben. Seit 1330 ist M. durch freye Wahl zum Verordneten
der niederosterr. Stände erwählt worden. Er entsagte sogleich der Di-
rection der ihm vertrauten Eisenbahn, und weihet sich einzig und allein
nur seinem neuen Dienste. Doch nimmt er wesentlichen Antheil an allen
gemeinnützigen technischen Aufführungen, welche in seinem Vaterlande
ins Leben treten, und verweigert niemahls den so oft von ihm ange-
sprochenen Rath. Technik ist der vorzüglichste Zweig seiner wiffenschaft-
Uchen Beschäftigungen und eme ausdauernde Beharrlichkeit, selbst bey
den mühevollsten und schwierigsten Aufgaben, einer seiner Charakterzüae.
Mehrere gelehrte Gesellschaften haben M. in Ansehung seiner vielsei-
tlgen ausgezeichneten Verdienste zu ihrem Mitgliede ernannt.
Mltterdorfer, Ios. , Bezirkscommiffär der Bisthum Gurker
Kreise, Mttglied der k. k.
Landwnchschafts-Gesellschaft in Kärnthen, ist geboren den 1. Nov.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie