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Spiegelfabrikation und Handel. — Spielmann. 603
cultä'tsstudien, die er als Director leitete, höchst verdienter Mann. Er
lieferte eine anonyme Schrift: Über die Fasten-Anstalten. Starb 13l3.
* Spiegelfabrikation und Handel. Es ist bekannt, daß die
böhmischen Spiegelglaser den französischen nur an Größe, keineswegs
aber an Schönheit und Reinheit der Masse oder des Schliffs und der
Politur nachstehen, wahrend ihr Preis bedeutend geringer ist; in Tafel-
glasern der gewöhnlichen Art bleibt aber Böhmen in keiner Beziehung
hinter dem eines andern Landes zurück. Eben so wurden in dem Belegen
der Spiegel in den größeren Etablissements erfreuliche Fortschritte ge-
macht, denen sich die matte Facettirung und die Kostenverminderung
bey dem Gießen der Spiegel anschloß. Mit Einschluß der Waldarbeiter
beschäftigt die Erzeugung der Spiegel und Tafelgläser über 4,000 Men-
schen. Bey dem zunehmenden Verbrauche der Spiegel im Innern der
Monarchie und auf mehreren Märkten des Orients betrug der Gesammt-
werth der raffinirten Erzeugnisse selbst in den letzten Jahren über
280,000 Gulden. Das bedeutendste Etablissement in diesem Industrie«
zweige ist das von G. C. Abele, welches aus den verschiedenen Fa«
briksgebäuden in Ober-Neuhurkenthal und Deffenr ik besteht/
wo unter der Leitung Ferd. und Fr i edr. Abele's bloß weiße Zoll»
spiegel und Solintafeln erzeugt werden.
Spie lmann, Ant. Freyh. v . , Vicepräsident der k. k. ver-
einigten böhm.-österr. Hofkanzley in Wien , wurde daselbst 1733 von
bürgert. Altern geboren. Er widmete sich den Vorbereitungs- und hö-
hern Wissenschaften mit solchem Fortgang/ daß seine Lehrer schon in
dem Jünglinge, den künftigen vollendeten Geschäftsmann erkannten.
Dahin ging sein Bestreben und seine Richtung. Er hatte kaum das 2 l .
Jahr seines Alters erreicht, als eö 1760 bey der k. k. Hofkammer seine
Laufbahn im Staatsdienste antrat, und hier so günstige Erwartungen
von sich gab, daß er 4 Jahre später zum niederö'sterr. Regierungs-
secretar befördert wurde. Bald sollte er jedoch Gelegenheit erbalten,
seine Talente in einem höhern Wirkungskreise zu entwickeln. Er wur-
de zur geh. Hof« und Staatskanzley übersetzt, wo ihn M a r i a
Theresia 1765 zum geh. Hofconcivisten ernannte. Nun stieg er durch
seine Verdienste von Stufe zu Stufe empor. Er ward 1767 Hofrath/
1790 geh. Hof- und Staatsreferendar, 1791 Schatzmeister des Ma-
ria Theresien-Ordens. Schon 10 Jahre früher hatte ihm Kaiser Jo-
seph I I . das Kleinkreuz des ungar. St. Stephan-Ordens verliehen.
Leopold I I . erhob ihn 1791 in den Freyherrnstand, und ertheilte
ihm das ungar. Indigenat. Kaiser Franz fügte 1792 auch das Inco-
lat von Böhmen hinzu, und schmückte ibn mit dem Commandeurkreuz
des St. Stephan-Ordens. 1793 ertheilte ihm Kaiser Franz bey sei-
nem Austritte aus der geh. Hof- und Staatskanzley, die Würde eines
geh. Rathes, und erhob ihn l301 zum Vicepräsidenten der böhm.-österr.
Hofkanzley. Nach 40jährigen ausgezeichneten Diensten trat S. in
den Ruhestand. Von der Natur mit einem vortrefflichen Gedächtnisse,
mit kalter Beurtheilungskraft und einem eingreifenden Scharfblicke be-
gabt, waren alle seine Ausarbeitungen eben so klar als gründlich, und
sind noch jetzt, nach dem Urtheile der Kenner, Muster echter Staats-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie