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und in kurzer Zeit dabey zum Lieutenant befördert wurde. 1778 bey
des preußischen Generals v. Mö l lendor f Einfall nach B rüx ,
zeichnete sich W. sehr aus. Der durch den Teschener Frieden 1779 herbey-
geführte Ruhestand, und der-von Joseph I I . bald darauf angeordne-
te Bau der Festung Theresienst ad t, brachte den so gerne thätigen
W. in eine neue Sphäre. Bey der Herbeyschaffung des Materials und
Verfahrung der ausgegrabenen Erde zeigte sich sein Alles umfassender
Geist, sein rastloser Eifsr, und feine Festigkeit, in Ausführung frucht«
barer Gedanken. In kurzer Zeit hatte er viele hundert Wägen mit Be-
spannung, theils selbst hergestellt, theils durch Contracte zu seinen Dis-
positionen. Es ist bekannt,, daß es vorzüglich dieses Fuhrwert war,
wodurch dieser beschleunigt wurde, und W. sich
schon damahls keine unbehHutmden Verdienste erwarb. Ohne Zweifel ist
es, daß er hier bey einem,klugen ökonomischen Verfahren, zu den künf-
tigen größern Unternehmungen seine ersten Fonds gründete; auch hatte
er bald nachher das Gut LzfNlieschitz bey.Lgun gekauft. Dieses in
einer fruchtbaren Ebene liegende Gut erhielt durch ihn eine ganz neue
Gestalt, und hier bewies der schon^ftüher zum Hauptmann in der Ar-
mee ernannte W. abertnaKls sehn^ Einsichten auch im Fache der Ökonomie.
Es entstand dort gleichsam e^ ine neue Schöpfung; der Kleebau außer an-
dern Futterkräutern dort früher kaum gekannt, wurde in großem Um-
fang getrieben. Dieß diente einer auserlesetren Schaar milchender Schwei-
zertühe, deren Stallung,von marmornen Futtertrögen prangte,: und
einer Herde veredelter Schafe.zur Nahrung, und: eine treffliche Fabri-
kation von Schweizer- und Zandern Käsen, trat nicht nur in eine ganz
unbekannt gewesene Wirksamke.it,. sondexn der gute Ruf davon ermun-
terte auch andere Okonctflen, die Viehzucht zu verbessern, und sie mit
dergleichen Industrie-Anstalten zu verbinden. Mit gleicher Liebe, mit
gleichem Feuer widmete sich W. der Cultur des Obstes, und später des
Weines. — Was aber seinen immer regen Trieb zugroßen Unternehmun-
gen deutlich und characteristisch bezeichnete, das waren die Lieferungs-
geschäfte und das Transportwesen/ welche er als Oberverpflegs-Direcror
und Haupt > Entrepreneur in dem Kriege leitete, den Osterreich theils
allein, theils in Verbindung mit andern Machtengegen den^aus Frank-
reich hereingebrochenen Strom, hurch so vieleIahre geführt hatte. Bey
dem Geschäftszweig der Transportir-ung war W. auf seinem Platze; hier
konnte er das Genie entwickeln, das in ihm wohnte. Es ist aber auch kein
Stand, keine öffentliche Anstalt, die an ihm nicht einen Freund, einen
Unterstützergefunden hätte. Auf seinen Herrschaften und Gütern, wo er
in jüngern Jahren, da seine Thätigkeit überall noch wirkend hervortreten
konnte, die Ökonomie selbst leitete, sind Kirchen und Schulen die spre-
chendsten Urkunden seinerAufmerksamkeit und Sorgfalt für sie. Die Schul»
lehrer und Schuljugend konnten sich überall seiner Theilnahme und sei-
ner Großmuth erfreuen. Es ist gewiß keines der Prager öffentlichen
Institute, das ihn nicht in der Reihe seiner Wohlthäter aufzuführen
hätte. Ein schönes Denkmal am Anfang der neuen Allee zu Prag hin-
terließ W. in der Erbauung eines Wasserbehältnisses von Stein, wo-
durch er einem Bedürfnisse der dortigen ganzen Umgegend abhalf, und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie