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ZierotiN/ die Grafen. — Zwickt, die Ferren v. 631
erlangt, wohin Z. aber erst nach dem Tode des Königs Georg von
Podiebrad (1471) abgegangen war, an dessen Hofe er sich der utra-
quistischen Partey zum Trotze lange behauptete. Er pflegte dem König
verschiedene Rathschläge mit der größten Herzhaftigkeit und Offenheit
vorzutragen. Kurz vor des Königs Tode überreichte er ihm eine Schrift
unter dem Titel: Regierungslehre für den König Georg, worin er
alle Fehler berührte, die Georg wahrend seiner Regierung begangen.
Er stellte ihm das Unglück vor, welches die Religionsspaltungen über
Böhmen gebracht. Da der König hierauf Rokycza na vom Hofe ent-
fernte und sich mit der römischen Kirche zu versöhnen wünschte, so ist zu
vermuthen, daß ihn Z.'s Schrift auf diesen Gedanken brachte. Roky-
czana verhinderte es wahrend seines Einflusses mit aller Macht, daß
Z. nicht emporkommen konnte, denn der König war gestimmt, Z. zum
Domdechant bey allen Heiligen auf dem Prager Schlosse zu ernennen.
Papst Eugen IV. würde schon 1447 gerne Z. auf ein Bisthum er-
hoben haben, hätte jenen nicht der Tod im nähmlichen Jahre überrascht.
Z. schrieb in böhm. Sprache die Lebensgeschichte des Kaisers Car l IV.
und eine Chronik, so präcis und genau, als es jemahls nach Cyr i l lus
ein slavischer Schriftsteller bis zu Z.'s Zeit gothan. Seine Manuskripte,
wozu auch noch das historische Werk, „die großen Bücher" genannt,
in böhm. Sprache gehört, werden wohl in dem Archiv des Prager Me-
tropolitancapitels noch vorhanden seyn. Wie lange noch Z. nach dem
Tode des Königs Georg gelebt, ist nicht zu ermitteln. Sein Todes-
jahr ist daher unbekannt.
^ Zierotin, die Grafen.FranzGraf v.Z. erhielt im September
1836 bey der böhm. Königskrönung die Würde eines St. Wenzelritters,
und insbesondere das Commandeurkreuz des Leopold- Ordens.
Zwickl, die Herren v., ein steyermark. edles Geschlecht, deren
Wapen ein rother Schild, mit 3 weißen Zwickeln in der Mitte und
2 weißen Querstreifen; sie tauchen mit Bartholomaus Z. inWeyer
1410 auf; Wo l f Z., Erzherzog Carl's Rath und Vorschneider, ge-
storben zuHainfeld am 17.Febr. 1532, hatte, dasselbe von seiner Ge-
mahlinn Amalay Wink le r , der Letzten ihres Geschlechts (gest.
zuHain fe ld am 14. Oct. 1575), geerbt; ihm folgte Christoph Z.,
dessen Söhne Georg Bar tho lom. und Hans Jac., beyde nach
einander mit Mar ia Freyinn v.Th an hausen, der Letzten ihres Ge-
schlechtes vermählt waren. Hans I a c. nahm die Nahmen der kraineri-
fchen Familie Khißlmit demGrafentitel von Gottscheean. Die Kh iß l
waren ein ausgezeichnetes krainerisches edles Geschlecht, von denen Georg
Freyh. v. Khißl , ein Freund H erb er t's v. Auersperg, den Hel-
dentod desselben in einem gedruckten Berichte beschrieben: Ilerbarcii
^uersperßi Varoniz reruin clomi inilitiIe^u« praeclare ßestai'uni
ßloria pi-2l35t2ntl85imi vita et mors, Laibach 1575. — Veit Freyh.
v. Khißl, 1602 Oberster zu Carlstadt, hatte 1605 im Ostrowazer-
feld bey St. Görgen einen Sieg wider Seferpascha erfochten, und
war 1609 gestorben. Hans Iac. Khißl (ehemahls Zwickl), stiftete
1622 das Franciscanerkloster zu Feldbach, das aber erst sein Sohn
Georg Bartholom. (gest. den 29. März 1656) ausgebaut; sein
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Volume 6
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe W-Z
- Volume
- 6
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 668
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie