Page - 176 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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ihren eigenen Mangel an Pflegepersonal ausgleichen zu können. Gesicherte
Zahlen gibt es jedoch nicht. [vgl. Afford 2002, 53f.]
In Polen nahm die Zahl des Gesundheitspersonals seit 1990 um 23.000
Personen zu. Dabei haben sich jedoch die Arbeitslosenzahlen in diesem Be-
reich im gleichen Zeitraum verdoppelt. So waren in diesem Sektor im Jahr
1999 23.498 Personen arbeitslos. Dies wurde einerseits zurückgeführt auf
die Kommerzialisierung von Services und Management, wodurch mehr Ar-
beitsplätze geschaffen wurden, und andererseits auf die Privatisierung und
die damit einhergehenden Budgetreduktionen und Umstrukturierungen, die
zu einer Reduktion von Arbeitsplätzen führten. Zusätzlich wird, so wie für
die Tschechische Republik, gemeldet, dass ungefähr 6,1 % der Arbeitskräfte
im Gesundheitssektor im Jahr 1999 Pensionisten waren. Im Vergleich dazu
waren es 1990 nur 2,4 %. [vgl. Afford 2002, 72] Neuere Studien zeigen,
dass vier von fünf Pflegekräften aus Polen - die gleiche Situation zeigt sich
auch für die Slowakei - Angst haben, arbeitslos zu werden. [Hasselhorn et
al. 2005] Dies spiegelt die unbeständige Situation für Pflegekräfte in Polen
wider.
Zwischen den 1990er Jahren und dem Anfang der 2000er Jahre war der Ar-
beitsmarkt im Gesundheitsbereich in Kroatien geprägt von hoher Arbeitslo-
sigkeit. [vgl. Dfakula et al. 2006, 92] Ende der 1990er Jahre wurde schließ-
lich gemeldet, dass 30 % der arbeitslosen Personen im Gesundheitsbereich
ausgewandert sind. Hierbei konnte - neben gesichertem Zahlenmaterial -
jedoch nicht festgestellt werden, ob dies ein Effekt des Krieges war oder an-
dere Gründe eine Rolle spielten. Zu diesem Zeitpunkt waren in Kroatien in
diesem Bereich 5039 Personen arbeitslos gemeldet, und es dauerte in etwa
18 Monate, bevor sie wieder Arbeit gefunden hatten. [vgl. Afford 2002, 51]
Dieser Trend hat sich jedoch in den letzten Jahren umgekehrt, hin zu einem
Mangel an Gesundheitspersonal, der vor allem für den Bereich der Ärzte
gesehen wird. [vgl. Dfakula et al. 2006, 92]
Hohe Arbeitslosigkeit als Push-Faktor wird jedoch vor allem dann verstärkt,
wenn es offene Stellen im Zielland gibt beziehungsweise ein Mangel an Per-
sonal gemeldet wird. Die Tabellen 39 und 40 bieten einen Überblick über
die arbeitslos gemeldeten Personen und offenen Stellen in Österreich seit
1999. In Tabelle 39 wird im ersten Teil auf das Gesundheits-, Veterinär- und
Sozialwesen eingegangen. Hier zeigt sich, dass zwischen 1999 und 2007
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Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien