Page - 250 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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Bezüglich des sozialen Netzwerkes wurde auf Makro-Ebene die Bevölke-
rungszusammensetzung sowohl für ganz Österreich als auch für die ein-
zelnen Bundesländer untersucht. Diese Daten wurden mit der Erhebung
betreffend Anzahl der im Ausland ausgebildeten Pflegekräfte in Beziehung
gesetzt. Hierbei konnte sehr wohl festgestellt werden, dass für die fünf Her-
kunftsländer in Österreich ein soziales Netzwerk besteht. Vielmehr konnte
zusätzlich aufgezeigt werden, dass häufig einige wenige Krankenanstalten
und Alten- und Pflegeheime eine höhere Konzentration von Pflegekräf-
ten aus bestimmten Herkunftsländern aufweisen. Jedoch zeigt das Ergeb-
nis auf Mikro-Ebene ein ganz anderes Bild. Netzwerke in Form von Fa-
milie, Bekannten, Kollegen und Freunden im Zielland waren demnach in
der Vergangenheit aus individueller Sicht bei permanenter Migration nicht
ausschlaggebend für die Entscheidung. Dies gilt durchgehend für alle Her-
kunftsländer. Lediglich für die temporär migrierenden Pflegekräfte hatten
die „Unterstützung durch die Familie", der „freundliche Empfang in Öster-
reich" und „Berichte über Erfahrungen in Österreich von anderen" Einfluss
auf ihre Entscheidung. Dies jedoch sind all jene sozialen Netzwerke, die
sowohl vom Zielland als auch vom Herkunftsland ausgehen können. Die
Diskrepanz zwischen diesen Ergebnissen kann auf unterschiedliche Weise
erklärt werden. Ein wesentlicher Aspekt ist die geografische Nähe, wodurch
auch nach der Migration auf vorhandene Netzwerke in der Heimat zurück-
gegriffen werden kann. Bezüglich der Konzentration von Pflegekräften auf
bestimmte Einrichtungen könnte die Erklärung jedoch auch in der aktiven
Suche von Seiten der Einrichtung gesehen werden. Anders ausgedrückt,
nicht Pflegekräfte suchen Beschäftigungsmöglichkeiten in Einrichtungen,
wo bereits Kollegen aus ihrer Heimat arbeiten, sondern Personalverant-
wortliche suchen aktiv im Ausland Pflegekräfte, da sie in Österreich kein
Personal finden und bereits Erfahrungen mit im Ausland ausgebildeten Pfle-
gekräften haben. Eine Bestätigung dieser Erklärung wurde jedoch in keinem
Fragebogen abgefragt.
Legislative und politische Dimension
Auf Makro-Ebene hat sich gezeigt, dass die legislative und politische Di-
mension ebenfalls einen starken Einfluss ausübt. Vor allem die Situation
der politischen Instabilität ist zu nennen, die auch auf Mikro-Ebene für die
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Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien