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108 K. Hauer
Bewertung der Passung des Anforderungsniveaus und Ressourcen der Nutzer-
gruppe
Beide Systeme zeigen ein vergleichbares Anforderungsniveau in den relevanten
Bereichen motorische und sensorische Leistung, die auch in beiden Fällen zur poten-
ziellen Nutzergruppe passen. Beide Systeme sind zudem für jeweils hochrelevante
Unterstützungsbereiche (Mobilität/Steuerung) und relevante spezifische Teilfunktionen
(Navigation/Orientierung; autonome Hilfsmittelsteuerung) entwickelt worden. Ent-
scheidend bei der Bewertung der Passung ist jedoch das kognitive Anforderungsniveau.
Die kognitive Passung der Anforderungen des Navigationssystems an die Nutzer-
gruppe erscheint anhand der obigen Bewertung als gut bis sehr gut. Insbesondere die
Gruppe der Personen mit moderater kognitiver Schädigung profitiert in hohem Maße
von der kognitiven Unterstützung bei der – in dieser Gruppe geschädigten – räum-
lichen Orientierung in dem relativ einfachen Orientierungsparcours. Bei einem deutlich
komplexeren Navigationskurs würde ggf. auch die Gruppe der kognitiv intakten Per-
sonen profitieren. Die generell positive subjektive Bewertung der Gesamtgruppe zeigt
die Einsicht in das offensichtliche Potenzial des Hilfssystems auch bei kognitiv nicht
geschädigten Personen.
Die kognitive Passung der Anforderungen des Audio-Gesten-basierten Steuerungs-
systems an die Nutzergruppe erscheint anhand der obigen Bewertung als ungenügend.
Beide Untersuchungsgruppen mit und ohne kognitive Schädigung sind in hohem Maße
vom komplexen kognitiven Anforderungsniveau überfordert.
Die Ergebnisse weisen auch auf die Prioritäten bei der Entwicklung des Hilfssystems
und des Studiendesigns hin. Das Studiendesign des Navigationssystems wurde in enger
Kooperation mit klinischen Partnern entwickelt und in seinem Anforderungsniveau auf
die Limitierungen des Studienkollektivs ausgerichtet (einfaches Setting, Vermeidung von
Floor-Effekten auch, um innovative Verlaufsparameter – Gehstrecke, in späteren Analysen
auch qualitativ-quantitative Gangparameter – zu erfassen, die in der späteren Entwicklung
für andere Unterstützungsfunktionen wie Sturzprävention relevant sind). In der techni-
schen Entwicklung sind zudem einfache, stark strukturierte Teilunterstützungen im Fokus,
die sehr geringe Anforderungen an die kognitive Leistung der Nutzer stellen, die sich an
etablierte Unterstützungssysteme in anderen Lebensbereichen anlehnen (TomTom).
Das Studiendesign der Audio-Gesten-basierten Steuerung wurde hingegen maß-
geblich von technischen Partnern entwickelt mit dem strengen Fokus auf die technische
Evaluation der Erkennung der auditiven oder gestenbasierten Befehle und in seinem
Anforderungsniveau nicht auf die Limitierungen des Studienkollektivs ausgerichtet.
Die Limitierungen des Studienkollektivs wurden so weit wie möglich mit maxima-
ler externer Unterstützung (Poster, simultane Präsentation von Gesten) durch den Test-
leiter kompensiert, wobei nicht bedacht wurde, dass die Unterstützung z. T. das kognitive
Anforderungsniveau weiter steigert (Dual Tasking). Einzig der freie Modus ohne Unter-
stützung (Modus 4) wurde von den klinischen Partnern eingeführt, um wenigstens eine
Testkondition zu dokumentieren, in der ein realistischer Nutzungskontext (nicht extern
unterstützte Ausführung) vorgegeben wird und zudem eine Rückmeldung zu erinnerten
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