Page - 114 - in Pflegeroboter
Image of the Page - 114 -
Text of the Page - 114 -
114 C. Gisinger
statt Personenhilfe, wenn es um den Intimbereich (z. B. Körperpflege, Ausscheidung)
geht und dadurch Autonomie und Selbstständigkeit erhalten werden können. Hier gibt
es allerdings technische, wirtschaftliche, Sicherheits- und ethische Probleme, die noch
gelöst werden müssen. „Pflegeroboter“ werden kommen, auch wenn noch ein langer
Weg vor uns liegt und die genaue Funktionalität noch einer Klärung bedarf.
6.1 Einleitung
Sowohl der Begriff „Pflege“ als auch der Begriff „Roboter“ wird unterschiedlich ver-
wendet und verstanden. Unter der Bezeichnung „Pflege“ wird sowohl der gesamte
Dienstleistungsbereich der mobilen oder (teil-)stationären Betreuung im Gesundheits-
bzw. Sozialbereich verstanden als auch bestimmte in vielen Ländern gesetzlich stark
geregelte Berufsbilder und andererseits auch Tätigkeiten, die von nicht ausgebildeten
Personen, also Laien, in Familien oder anderen informellen Bereichen übernommen
werden. Die im Englischen gebräuchliche Unterscheidung von „Care“ und „Nursing“
(Nurses ICo) wird ins Deutsche als „Betreuung“ und „Pflege“ übersetzt, allerdings ist
diese Differenzierung in der Alltagssprache nicht wirklich angekommen.
Ähnlich beliebig verhält es sich mit dem Begriff „Roboter“, der ein weites Spektrum
umfasst; von programmierbaren deterministischen Maschinen (klassische „Industrie-
roboter“) über z. B. in der Medizin eingesetzte Manipulatoren (Operationsroboter), die
von Chirurgen gesteuert werden, bis zu mit komplexen Sensoren bestückten stationä-
ren oder mobilen Systemen, die Signale erkennen, differenziert verarbeiten und darauf
reagieren können und deren Aussehen oft auch anthropomorphe Merkmale aufweist.
Die Bezeichnung „Pflegeroboter“ ist daher häufig eine schwammige Projektions-
fläche von Wünschen und Ängsten. In diesem Beitrag werden aus Sicht der Geriatrie
und Medizin Erwartungen und Erfahrungen mit komplexen technischen Systemen in
einer geriatrischen Langzeitpflege- und Rehabilitationseinrichtung zusammengefasst,
die Menschen mit erhöhtem Pflegebedarfsrisiko oder tatsächlichem Pflegebedarf unter-
stützen und zu Hause oder in Institutionen eingesetzt werden können.
6.2 Wo können Technik und Robotik im Bereich Geriatrie und
Pflege nützlich sein?
Im Jahr 2008 untersuchten wir in einem vierwöchigen Projekt gemeinsam mit einem
Team von Mechatronikern des Austrian Research Center mittels Workshops und struk-
turierter teilnehmender Beobachtung unter Einbindung verschiedener Berufsgruppen des
Pflege- und Rehabilitationsbereichs des Hauses der Barmherzigkeit, für welche Aufgaben
technische Systeme oder Roboter eine Hilfe sein könnten (Helnwein et al. 2008). Neben
sehr spezifischen Anforderungen, wie z. B. bei Patienten mit Kontrakturen, wurden für
Menschen mit Pflegebedarf zusammenfassend folgende Bereiche als vielversprechende
weitere Stoßrichtung identifiziert: Sturzprophylaxe und Sturzerkennung, Unterstützung
back to the
book Pflegeroboter"