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Pflegeroboter aus Sicht der Geriatrie
der Kommunikation, Vermittlung von Erlebnissen und Unterhaltung, UnterstĂĽtzung bei
(kognitiver) Therapie/Training, Hol- und Bringdienste, Bewohner-/Patiententransport
in der Einrichtung, automatisierte UnterstĂĽtzung bei der Pflegedokumentation, Unter-
stĂĽtzung der professionellen Pflege bei Hebe- und Kraftaufgaben, automatisierte Medika-
mentenverabreichung mit Dokumentation des DurchfĂĽhrungsnachweises, apportierender
Visitenverbandswagen mit „Dritte-Hand“-Funktion. Natürlich stellt sich die technische,
finanzielle, ethische, rechtliche und organisatorische Realisierbarkeit sehr unterschiedlich
dar. In den Folgejahren ergab sich die Gelegenheit, in einigen dieser Bereiche gemeinsam
mit Partnern aus Universitäten und Industrie Projekte mit dem Ziel zu verwirklichen,
Lösungsansätze für die Probleme Sturz bzw. Sicherheit zu entwickeln oder Möglich-
keiten bei der UnterstĂĽtzung von rehabilitativen Therapien aufzuzeigen. Dazu kamen
auch Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsfunktionen.
6.3 Sturz: Auslöser von Pflegebedürftigkeit
Stürze gehören zu den wichtigen geriatrischen Syndromen und sind für rund die Hälfte
aller Traumata im Alter (Sterling et al. 2001) mit entsprechenden Folgen fĂĽr Pflege-
bedürftigkeit und Mortalität (Alexander et al. 1992) verantwortlich. Laut dem Öster-
reichischen Seniorenbericht (Winkler und Wirl 2012) stürzen rund die Hälfte der über
80-Jährigen mindestens einmal im Jahr, von denen 10 bis 20 % auch Verletzungen
erleiden, bei etwa 5 % kommt es sogar zu KnochenbrĂĽchen. Eine Befragung im Rahmen
der Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigen-Studie (Stückler und Ruppe 2015)
gibt eine Sturzhäufigkeit bei über 80-Jährigen innerhalb der letzten drei Monate von
lediglich 15,6 % an, von denen allerdings 47,7 % zumindest leicht (HautabschĂĽrfungen,
blaue Flecken etc.) und 15,4 % schwer (Knochenbrüche und ähnlicher Schweregrad)
verletzt worden sind.
Die klinische Erfahrung von Unfallchirurgen zeigt, dass StĂĽrze von alleine lebenden
SeniorInnen mit schweren Sturzfolgen oft erst nach erheblicher Latenzzeit vom Umfeld
bemerkt werden und daher Hilfeleistung oft erst stark verzögert erfolgt. Zahlreiche Stu-
dien untersuchten den Einsatz verschiedener technischer Systeme zur Sturzerkennung,
wie beispielsweise Vibrationssensoren (Zigel et al. 2009) oder Messung der Veränderung
des elektrischen Feldes (Rimminen et al. 2010), verschiedene am Körper (Armband,
GĂĽrtelschnalle etc.) getragene Sensoren (Bianchi et al. 2009) und verschiedene Kon-
zepte mit Einsatz der Mobil- bzw. Smartphone-Technologie (Williams et al. 2013; Poku
2015). Allerdings haben sich diese Systeme in der Praxis bisher unter den Erwartungen
etabliert, zum Teil wegen des Installationsaufwands, oder – vor allem bei am Körper
getragenen Sensoren – wegen mangelnder Akzeptanz durch die Betroffenen, vor allem
in Situationen (Bad, nächtlicher WC-Gang), bei denen das Sturzrisiko erhöht ist. Ein
weiteres Problem sind die häufigen Fehlalarme, was nicht zur Akzeptanzsteigerung der
Betroffenen, ihrer Familien oder der Betreuungs- oder Notfalldienste beiträgt. Ein neuer
Ansatz sollte daher hohe Spezifität (=wenige Fehlalarme) und hohe Sensitivität (=keine
unerkannten StĂĽrze) aufweisen.
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