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126 M. HĂŒlsken-Giesler und S. Daxberger
Ăber eine Professionalisierung der Pflege sollen die Pflegeberufe insgesamt attrak-
tiver gemacht werden, um FachkrĂ€fte fĂŒr diesen gesellschaftlichen Teilbereich zu
gewinnen und nachhaltig binden zu können. Als typischer Frauenberuf (ca. 85 % der
beruflich Pflegenden sind Frauen) mit einem immensen Anteil an Teilzeit- und Gering-
beschÀftigten weist berufliche Pflege lange eine starke horizontale und vertikale
InhomogenitÀt auf. Die Zersplitterung der Berufsbilder (Altenpflege, Krankenpflege,
Kinderkrankenpflege) einerseits und der Handlungsfelder (ambulante Pflege, langzeit-
stationĂ€re Pflege, akutstationĂ€re Pflege) andererseits fĂŒhrt zu unterschiedlichen Ein-
schÀtzungen des gesellschaftlichen Potenzials der Pflege zwischen sozialpflegerischer
(im Bereich der Altenhilfe bzw. Altenpflege) und heilkundlicher, medizinisch-
pflegerischer Orientierung (im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege). Im Zuge
der Professionalisierung der Pflege konnten in den letzten Jahren allerdings einige
Fortschritte verzeichnet werden: Mit der Etablierung der Pflegewissenschaft an deut-
schen Hochschulen sowie der berufsgesetzlichen Absicherung einer hochschulischen
Pflegeausbildung (vgl. Pflegeberufegesetz (PflBG), Bundesanzeiger 2017) kann die
Versorgungspraxis zukĂŒnftig vermehrt auf wissenschaftliche Handlungsgrundlagen
zurĂŒckgreifen, die derzeit bereits ĂŒber wissenschaftlich begrĂŒndete Standards und Leit-
linien in das berufliche Handeln einflieĂen. Mit der Einrichtung von Pflegekammern
(derzeit in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) sowie der recht-
lichen Absicherung von Teilbereichen der beruflichen Pflegearbeit ĂŒber das PflBG 2017
verfĂŒgt Pflege in Deutschland erstmals ĂŒber wichtige Grundlagen einer professionel-
len Handlungsautonomie. Weiterentwicklungen dieser Art sollen die AttraktivitÀt des
Berufsfeldes erhöhen sowie die öffentliche Aufmerksamkeit fĂŒr Fragen der pflegerischen
Versorgung in einer Gesellschaft des langen Lebens schÀrfen.
Eine zweite Strategie besteht darin, Teilbereiche des pflegerischen Handelns aus
dem professionellen Profil der Pflege auszugliedern und an zivilgesellschaftlich enga-
gierte Menschen im Quartier zu delegieren. Mit dem gesundheitspolitischen Prinzip
âambulant vor stationĂ€râ wird die Pflege in Deutschland primĂ€r im traditionell hĂ€us-
lichen und familiĂ€ren Raum verortet, der jedoch zunehmend fĂŒr eine gemeindenahe und
zivilgesellschaftlich ausgerichtete Pflege geöffnet werden soll. Die Idee von â
Sorgenden
Gemeinschaftenâ als ErgĂ€nzung zur professionellen Pflege gewinnt in der deut-
schen Sozialpolitik zunehmend an PopularitÀt. Als Leitthema wird sie etwa im achten
Familienbericht, im zweiten Engagementbericht und auch im siebten Altenbericht der
Bundesregierung zunehmend konkretisiert. Das Prinzip der Sorge durch soziale Gemein-
schaften wird dabei als tragfĂ€hige Strategie fĂŒr die BewĂ€ltigung kommender Heraus-
forderungen erachtet (vgl. z. B. Deutscher Bundestag 2016; Klie 2014; Hoberg et al.
2013). FĂŒr die berufliche Pflege ist diese Entwicklung mit neuen Möglichkeiten und
Perspektiven verbunden: Im Zusammenspiel mit weiteren Gesundheitsberufen werden
ihr neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten zugeschrieben, wie z. B. die Analyse loka-
ler Infrastrukturen zur gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung, der Aufbau trag-
fĂ€higer Netzwerke und UnterstĂŒtzungsstrukturen sowie der Transfer neuer und relevanter
Erkenntnisse in die regionale Versorgungspraxis (vgl. BĂŒscher 2013). Es wird aber auch
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