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Robotik in der Pflege aus pflegewissenschaftlicher Perspektive
7.3.3 Rehabilitationsrobotik
Die dynamischen Entwicklungen im Bereich Rehabilitationsrobotik betreffen inter-
national auch Handlungsfelder der professionellen Pflege. Robotische Systeme wurden
hier etwa im Zusammenhang mit rehabilitativen Ansätzen bei Schlaganfällen, Autis-
mus (insbesondere im Kindesalter), Multipler Sklerose, Parkinson und weiteren neuro-
rehabilitativen Herausforderungen entwickelt und erprobt (vgl. Yang et al. 2015; Yoo
und Kim 2015; Bae et al. 2014; Wu et al. 2014). Da entsprechende rehabilitative Inter-
ventionen im deutschsprachigen Raum nicht primär durch professionell Pflegende ver-
antwortet werden, soll dieser Bereich hier jedoch nicht weiterverfolgt werden.
Der derzeitige Diskussionsstand zum Thema Pflegerobotik verweist auf zunehmende
Entwicklungs- und Forschungsaktivitäten, kann dabei jedoch nur auf einen sehr
begrenzten Erkenntnisstand zu den Einsatzbedingungen und Effekten im Handlungsfeld
zurückgreifen. Der Schwerpunkt der Entwicklung für den engeren Bereich der Pflege
liegt bei den sozio-assistiven Systemen sowie der Servicerobotik. Sozio-assistive Sys-
teme zur Unterstützung sozial-kommunikativer Aspekte der Pflege kommen vorzugs-
weise als humanoide und tierische Systeme zum Einsatz, es liegen erste Hinweise vor,
dass diese Systeme bei den Hilfeempfängern auf Aufmerksamkeit und Interesse stoßen
und das Interaktionsverhalten möglicherweise verbessern können. Die vorliegenden Stu-
dien sind dabei methodisch noch unzureichend und fokussieren in der Regel eher frag-
mentarisch auf den Einsatz ausgesuchter Systeme. Servicerobotik im Bereich der Pflege
zielt derzeit vornehmlich auf Aspekte von Mobilität, Selbstpflege und Interaktion bzw.
Beziehungsarbeit von Hilfeempfängern. Servicerobotik für professionell Pflegende
adressiert vorzugsweise logistisch-organisatorische Aspekte der Pflegearbeit. Systeme
zur Unterstützung der direkten, patientennahen Pflegearbeit finden sich derzeit noch
kaum. Die vorliegenden Erkenntnisse betonen die Bedeutung der interdisziplinären
Zusammenarbeit zwischen Pflegepraxis, Pflegewissenschaft und Technikwissenschaften
im Rahmen der Entwicklung und Implementierung der Systeme. Weiterhin wird hervor-
gehoben, dass die Nutzerinnen und Nutzer von Pflegerobotik über besondere qualifikato-
rische Voraussetzungen verfügen müssen. Die Studienlage zu den Rahmenbedingungen
des Einsatzes dieser Systeme ist derzeit sehr dünn.
7.4 Herausforderungen des Einsatzes von robotischen
Systemen aus der Perspektive der Pflegewissenschaft
Zur Skizzierung einiger Herausforderungen im Zusammenhang mit der dynamischen
Entwicklung im Bereich der Pflegerobotik soll an dieser Stelle auf die jüngst veröffent-
lichte Studie „ePflege“ (Roland Berger et al. 2017) verwiesen werden. Die über das
Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebene Studie betont, dass die wei-
tere Entwicklung durch eine verstärkte Nutzer- und Alltagsorientierung geprägt sein
muss. Als Ausgangspunkt der Entwicklung sind damit nicht in erster Linie Aspekte der
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