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20111
Roboter im Gesundheitsbereich
sehr exakte Schnitte zu setzen und präzise zu fräsen und zu bohren. Er wird entweder –
das ist die Regel – durch einen Arzt gesteuert, der vor Ort oder an einem anderen Ort
ist (i. d. R. nicht erlaubt), oder er arbeitet – in einem engen zeitlichen und räumlichen
Rahmen – mehr oder weniger autonom. Zu den Vorteilen gehört, dass die Operation
meist schonender ist und damit vom Patienten besser vertragen wird. Der Arzt kann das
Operationsfeld bei vielen Apparaturen optimal einsehen – es ist z. B. ausgeleuchtet und
vergrößert – und beherrschen. Zu den Nachteilen gehört, dass künstliche Operations-
assistenten sehr teuer sind und nach einer zusätzlichen gründlichen Einarbeitung der
bedienenden und betreuenden Personen verlangen.
Es sind verschiedene Produkte und Prototypen auf dem Markt. Der DaVinci-
Operationsroboter von Intuitive Surgical (www.davincisurgery.com) ist weit verbreitet
und in Kliniken für die radikale Prostatektomie und die Hysterektomie zuständig.
Er ist ein Teleroboter und als solcher nicht autonom oder auch nur teilautonom, kann
aber z. B. das Zittern der Hände ausgleichen (Bekey 2012, S. 23; Bendel 2015a). Das
Amigo Remote Catheter System (www.catheterrobotics.com) wird bei Herzoperationen
eingesetzt, das CyberKnife® Robotic Radiosurgery System (www.cyberknife.com) zur
Krebsbehandlung, das Magellan™ Robotic System (www.hansenmedical.com) für Ein-
griffe in Blutgefäße. Der Smart Tissue Autonomous Robot (Star) des Sheikh Zayed
Institute, ein autonomer Operationsroboter, kann Wunden mit groĂźer Sorgfalt und
Gleichmäßigkeit zunähen, ist aber noch zu langsam für den regulären Einsatz (Pluta
2016). MIRO ist ein nach Angaben des DLR „vielseitig einsetzbarer Roboterarm für chi-
rurgische Anwendungen“ (www.dlr.de). Er ist verwandt mit Kooperations- und Kollabo-
rationsrobotern in der Industrie und kann dem Chirurgen assistieren und sich mit ihm
bei Tätigkeiten so abwechseln, dass beide ihre Stärken auszuspielen vermögen und ihre
Schwächen ausgeglichen werden.
Aus den Bereichsethiken heraus können Fragen dieser Art gestellt werden (Bendel
2013a; 2015b):
• Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften Operation durch die Maschine
(Bekey 2012, S. 24)?
• Wie geht man mit Verunsicherung und Angst um, die durch den Roboter verursacht
werden?
• Ist der Operationsroboter ein Konkurrent für Ärzte und ihre Assistenten (Bekey 2012,
S. 25)?
Die Frage nach der Verantwortung wird bei manchen Modellen einfach zu beantworten
sein, da sie lediglich Werkzeuge des Arztes sind. Allerdings gibt es zuweilen die Option,
eine definierte (Teil-)Aufgabe autonom ausfĂĽhren zu lassen, und es wird eben mit auto-
nomen Systemen experimentiert. Bei ihrem Gebrauch wäre nicht nur der Mediziner
(wenn ĂĽberhaupt), sondern auch der Hersteller bzw. der Entwickler in die Verantwortung
zu nehmen, mithin das Krankenhaus. Der Patient ist frĂĽhzeitig zu instruieren, damit
ihm Angst genommen werden und er den Vorgang zugleich realistisch beurteilen kann.
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