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202 O. Bendel
Zudem sind die Ärzte zu informieren, was die weiteren Schritte in der medizinischen
Robotik angeht, damit sie zum einen die neuesten und besten Produkte berücksichtigen
bzw. einfordern können, zum anderen eine drohende Gefahr für sich selbst erkennen –
je mehr Autonomie die Maschine hat, desto mehr Autonomie und Relevanz verliert die
Fachperson –, wobei unklar ist, wie sie im Zweifelsfall verfahren sollen, zumal sie den
medizinischen Fortschritt in der Regel nicht aufhalten, sondern für sich und die Patienten
nutzen wollen.
11.4.2 Therapieroboter
Als Therapie bezeichnet man Maßnahmen zur Behandlung von Verletzungen, Krank-
heiten sowie Fehlstellungen und -entwicklungen (Bendel 2015b). Ziele sind die Ermög-
lichung oder Beschleunigung einer Heilung, die Beseitigung oder Linderung von
Symptomen und die (Wieder-)Herstellung der gewöhnlichen bzw. gewünschten physi-
schen oder psychischen Funktion. Therapieoptionen sind u. a. Operation, Medikation,
Krankengymnastik und psychologische Beratung und Betreuung. In einem engeren res-
pektive umgangssprachlichen Sinn ist eine Therapie etwas, das auf einen Eingriff wie
eine folgenreiche Operation oder eine ernsthafte Erkrankung folgt.
Therapieroboter unterstützen therapeutische Maßnahmen oder wenden selbst, häu-
fig als autonome Maschinen, solche an (Bendel 2015b). Sie sind mit ihrem Aussehen
und in ihrer Körperlichkeit wie traditionelle Therapiegeräte präsent, machen aber dar-
über hinaus selbst Übungen mit Gelähmten, unterhalten Betagte und fordern Demente
und Autisten mit Fragen und Spielen heraus. Manche verfügen über mimische, gestische
und sprachliche Fähigkeiten und sind in einem bestimmten Umfang denk- und lernfähig
(wenn man diese Begriffe auf Computersysteme anwenden will). Vorteile sind Einspar-
möglichkeiten und Wiederverwendbarkeit, Nachteile eventuell unerwünschte Effekte bei
der Therapie und mangelnde Akzeptanz bei Angehörigen.
Es existieren in der (Teil-)Automation der Therapie zahlreiche Produkte und Proto-
typen (Bendel 2015b). Wohlbekannt auch bei nicht betroffenen Personen und Grup-
pen ist die Kunstrobbe Paro (www.parorobots.com), die seit Jahren im Einsatz ist,
in Japan, wo sie das Licht der Welt erblickte, wie in Europa. Sie hat u. a. deshalb eine
hohe Akzeptanz bei den Patienten (etwa bei Dementen) und Angehörigen, weil sie
durch ihr Äußeres – anders als gewisse humanoide Roboter – keine hohen Erwartungen
weckt und dadurch den Uncanny-Valley-Effekt vermeidet, also z. B. nicht unheim-
lich und unglaubwürdig erscheint. Sie versteht ihren Namen (bzw. den Namen, den
man ihr gibt), erinnert sich daran, wie gut oder schlecht sie behandelt und wie oft sie
gestreichelt wurde, und drückt ihre Gefühle (die sie in Wirklichkeit natürlich nicht hat)
durch Geräusche und Bewegungen aus. So kann sie fiepen, sich auf die Flossen stützen
und den Kopf heben. Ebenfalls bekannt ist Keepon (beatbots.net/my-keepon), ein
kleiner, gelber Roboter, der die soziale Interaktion von autistischen Kindern beobachten
und verbessern soll und inzwischen – wohl weil er lustig aussieht, sich gerne kitzeln
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