Page - 207 - in Pflegeroboter
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Roboter im Gesundheitsbereich
• Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften Betreuung und Versorgung durch
die Maschine?
• Kann der Roboter helfen, eine Scham zu verhindern, die man gegenüber Menschen
hätte, oder kann er auch eine Scham auslösen, die man ansonsten nicht hätte?
• Wie verfährt man mit Daten, die der Roboter sammelt und auswertet?
• Ist der Roboter ein Konkurrent für Pflegekräfte und Krankenschwestern?
Die erste Frage kann zum Teil ähnlich wie bei Therapierobotern beantwortet werden. Bei
Pflegerobotern gesellen sich zu den psychischen Konsequenzen häufig physische. Robear
bettet Patienten im Tandem mit der Pflegekraft um, wodurch Verletzungen weitgehend
ausgeschlossen werden; dennoch kann es zu solchen kommen, sei es durch technisches,
sei es durch menschliches Versagen. Entsprechend wird auch die Fachkraft zur Ver-
antwortung zu ziehen sein, und sie muss sorgfältig auf die Kooperation mit der Maschine
vorbereitet werden. Zudem sollte ein technischer Support vor Ort oder in der Nähe sein,
der Hilfestellung bietet und Verantwortung übernimmt. Zu ergänzen ist, dass immer wie-
der Übergriffe von überforderten Pflegekräften auf ältere Personen auftreten – sie kön-
nen durch die Verwendung von Robotern vermieden werden, die selbst regelkonform
sind oder auf ein solches Verhalten im Tandem achten. Was die Scham anbelangt, wur-
den in verschiedenen Untersuchungen erste Hinweise darauf gefunden, dass Roboter
jene zu verringern imstande sind, etwa wenn es um Waschungen im Intimbereich geht
(Fahlberg und Wenger 2015; Fahlberg 2017). Die Scham könnte aber ebenso zunehmen,
wenn der Roboter als beobachtende und (fälschlicherweise) begreifende Einheit auf-
gefasst wird, oder wenn sich die Patienten im Klaren darüber werden, dass persönliche
bzw. personenbezogene Daten erhoben und sie womöglich sogar über die Kameras der
Roboter von Menschen beobachtet werden, was aus GrĂĽnden der Sicherheit oder in
missbräuchlicher Form geschehen mag. Insofern hängen diese beiden Fragen zusammen.
Grundsätzlich können Pflegeroboter meist mehr Daten sammeln und auswerten als
Therapieroboter, weil sie oft mobiler sind, über mehr Sensoren und eine höhere Intel-
ligenz verfügen, wobei Paro als ambitioniertes Projekt gegen diese Einschätzung zu
sprechen scheint und in Zukunft die Therapieroboter weiterentwickelt werden dĂĽrften,
zumal sie weltweit im praktischen Einsatz sind (Bendel 2014). Wieder gilt, dass eine
ergänzende Patientenverfügung erstellt werden könnte oder sollte (wie übrigens auch
bei Operationsrobotern, insbesondere mit Blick auf Eingriffe, ĂĽber die der Patient in der
Situation nicht entscheiden kann, etwa weil es sich um einen Notfall handelt). In der ent-
sprechenden Rubrik des genannten Dokuments ist zu lesen: „Ein teilautonomer Pflege-
roboter kann Patienten umbetten und aufrichten sowie weitere Aufgaben ĂĽbernehmen. Er
arbeitet mit einem Pfleger im Tandem. Es liegen unterschiedliche Prototypen vor, etwa
Robear. Wenn ich als zu pflegende Person urteilsunfähig bin, so lehne ich den Einsatz
eines Pflegeroboters ab.“ (Bendel 2017b). Man kann wiederum für mehrere Fälle eine
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