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208 O. Bendel
Ausnahme machen (s. Abb. 11.1).2 Die Frage nach der Konkurrenz muss differenziert
betrachtet werden. Transport- und Greifroboter können Menschen teilweise ersetzen,
Pflegeroboter im engeren Sinne arbeiten dagegen, wie angedeutet, meist im Team, unter-
stützen und ergänzen Pflegekräfte und verdrängen sie kaum.
11.5 Weitere Fragen der Ethik
Es können weitere Fragen bei allen Robotertypen im Gesundheitsbereich aufgeworfen
werden, etwa danach, wer sich die Roboter leisten kann und wer nicht und was daraus
folgt, ob man eine Robotisierung in einem Bereich fördern sollte, wo hohe soziale Kom-
petenzen benötigt werden, Menschen an ihre Grenzen kommen, sie Menschen sehen, die
leiden und sterben, bzw. selbst leiden und sterben. Die Moralphilosophie wird zu ande-
ren Antworten gelangen als die Moraltheologie; während jene, zumindest in der Theorie,
voraussetzungslos und ergebnisoffen über die Dinge nachdenkt (wenn sie nicht voraus-
setzungslos ist, kann sie dies immerhin reflektieren und kritisieren), ist diese an antike
und mehr oder weniger statische, zumindest von einem festen Kanon ausgehende Vor-
stellungen gebunden, die sie freilich auf moderne Phänomene zu übertragen versucht.
Die Moralphilosophie kann sich, teilweise zusammen mit der Religionswissenschaft,
weltanschaulichen und religiösen Bedürfnissen von Patienten zuwenden; es ist ihr aber
selbstverständlich, keine religiösen und esoterischen Elemente in ihren Prämissen und
Methoden zuzulassen. Dies ist sehr wichtig im vorliegenden Kontext, will man doch
allgemeingültige und nachhaltige Ergebnisse erzielen, was natürlich auch auf manch
anderem Gebiet nicht unwichtig ist. Es ist demnach nicht nur der moderne Gegenstand,
weswegen sich die Einmischung der Moraltheologie verbietet; diese kann aus erkennt-
nis- und wissenschaftstheoretischen Erwägungen grundsätzlich aufgefordert werden,
sich nicht in die Bereichsethiken einzubringen und überhaupt Abstand von der philo-
sophischen Ethik zu nehmen.
Man kann im Übrigen neben den Bereichsethiken die Maschinenethik bemühen
(Anderson und Anderson 2011; Bendel 2012b). Während jene im Kern Reflexions-
disziplinen sind, Anwendungsfelder in moralischer Hinsicht evaluierend und Chancen
und Risiken diskutierend, ist diese eine Gestaltungsdisziplin im engeren Sinne. Zwar kann
man sie durchaus Informations- und Technikethik zuordnen, aber es spricht einiges dafür,
sie als Pendant zur Menschenethik anzusehen, womit sie eine neue Ethik neben der alten
wäre (Bendel 2012b). In ihr werden moralische Maschinen nicht nur erdacht, sondern
auch gebaut, was ihre Nähe zu Robotik und Künstlicher Intelligenz (KI) deutlich macht.
2Die Frage ist, im Anschluss an die zuvor geführte Diskussion um Patientenverfügungen, ob der
persönliche Wille immer durchgesetzt werden kann – es mag betriebliche und wirtschaftliche
Notwendigkeiten geben, die dies im Einzelfall verhindern. Zudem sind auch hier, wie bei den
Therapierobotern, Dilemmata möglich.
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